Kategorien
Neuigkeiten

Drei erfolgreiche Startups aus Ulm und Neu-Ulm, die jeder kennen sollte

Dass einige große, internationale Unternehmen in Ulm daheim sind ist ja bekannt.
Doch wie sieht es eigentlich bei den Startups aus? Naja: man muss schon etwas genauer hinschauen, um größere Gründererfolge in Ulm und Neu-Ulm zu finden. Doch es gibt sie!
Wir haben uns für euch auf die Suche gemacht und drei sehr erfolgreiche Startups aus Ulm und Neu-Ulm gefunden.
Abgesehen davon sind wir uns sicher, dass aus unseren beiden Städte bald weitere größere News in der Startup Welt zu hören sein werden; ist das Ökosystem in Ulm doch sehr jung im Vergleich zur Nachbarschaft in München oder Stuttgart.

Robotertechnik aus Ulm liefert das Startup Adlatus Robotics.
2015 gingen die Gründer Mattias Strobel und Siegfried Hochdorfer mit ihrer Idee, einen Reinigungsroboter zu entwickeln, an den Start. Schon 2018 gewann Adlatus den CYBER ONE Hightech Award mit ihrem Prototypen. Es sollte nicht der letzte Preis sein, den sie mit ihrer Idee abräumen würden!
Seither kann man die Roboter auf Fachmessen, teilweise bis nach Dubai, sehen und bestaunen.
Erste Bestellungen sind bereits von der Deutschen Bahn und vom Flughafen Berlin in Auftrag gegeben, dort reinigen die Roboter bereits fleißig den Boden.
Aktuell arbeiten bei Adlatus über 25 Mitarbeiter. Auf das Team wartet ein zukunftsträchtiger, wachsender Markt, der erobert werden will. Wir sind gespannt, was wir hier in Zukunft noch lesen und sehen werden!

Für viele Onlinemarketer ist Pixabay das, was für den Künstler die Farbe.

Jeder, der Bildmaterial für seinen Onlinecontent benötigt, findet ihn auf einigen großen Plattformen. Natürlich hat das Bildmaterial seinen Preis, was dazu geführt hat, dass es zwischenzeitlich auch Anbieter gibt, die sich auf kostenlose Fotos spezialisiert haben. Einer davon ist Pixabay.
2010 gründen zwei Studenten aus Neu-Ulm das Startup. Seitdem macht es den ganz Großen Mitbewerbern aus den USA Konkurrenz, wie z.B. dem milliardenschweren Fotolia. 2014 hatte das Portal 1,4 Millionen Accounts, die täglich 1.500 Bilder hochladen. Aktuell rankt Pixabay auf Google für “Kostenlose Stockfotos” auf Platz 2.
Beeindruckend! Um so mehr überrascht es, dass in Ulm und Neu-Ulm das Startup so gut wie niemand auf dem Schirm hat, was wir hiermit hoffentlich ändern!

2015 eröffnete Dennis Schwager mit gerade mal 21 Jahren einen kleinen Laden im Ulmer Fischerviertel: Shisha Cloud.
Hier sollten seine Kunden in Zukunft eine gute Beratung rund um Shishas und deren Zubehör bekommen. Er muss nicht schlecht gestaunt haben, als er am Eröffnungstag ausverkauft war.
Seither ist viel passiert! Das Startup ist gereift und besitzt nun ein Firmengebäude in Luizhausen, wo 24 Mitarbeiter ihre Kunden mit Dampf versorgen. Auch die Verkaufsräume in Ulm wurden vergrößert, in der Wengengasse 14 können sich Rocket-Ulm Leser auch ein eigenes Bild von dem Startup machen.
Auf Google rankt Shisha Cloud mit “Shisha kaufen” auf Seite 1 und ist damit im Onlinehandel für Shishas ganz vorne mit dabei.
Wir finden: eine geniale Gründerstory!

Bild von Heiko Behrendt auf Pixabay

Kategorien
Digital Economy Stories

mesakumo

Entgegen aller Klagen schreitet die Digitalisierung auch in Deutschland voran.
Zuerst waren es die großen Unternehmen, die mutig vorangegangen sind. Mittlerweile zeigt aber auch der Mittelstand zunehmend wachsendes Interesse an der Frage, was Digitalisierung wohl für das eigene Geschäftsmodell bedeutet.
Dieser Prozess ist nicht immer einfach und oft von Schwierigkeiten begleitet. Deshalb gibt es Berater, die Know-How und Erfahrung mitbringen, um diesen wichtigen Modernisierungsprozess zu begleiten. Eines dieser Beratungsunternehmen ist kürzlich in Ulm entstanden: mesakumo.

Die Gründer, Fabian Kracht und Richard Ritz, verbindet eine gemeinsame Geschichte: beim Familienunternehmen PERI haben beide die digitale Transformation maßgeblich vorangetrieben und z.B. eine cloud-first Strategie eingeführt.
Mit ihrer Erfahrung wollen sie nun anderen Mittelständlern helfen, sich zu digitalisieren.

Fabian und Richard, ihr beide hattet bei PERI jeweils eine spannende Karriere. Wieso gibt man das auf, um ein Startup zu gründen?

Wir wollten vor allem unsere Geschäftsidee umsetzen und den Wunsch einer eigenen Gründung erfüllen. Und um dieses neue Kapitel zu beginnen, gehörte eben auch dazu, das Kapitel PERI abzuschließen. Nach jeweils 16 Jahren im Unternehmen, die so erfolgreich wie lehrreich waren und mit so vielen super Kollegen war das keine einfache Entscheidung für uns. Aber es hat sich richtig angefühlt.
Die Abschiedsmonate waren dann übrigens sehr herzlich, trotz Corona sogar mit einem sehr schönen Abschiedsfest.

Ihr kommuniziert ja auch fleißig über die sozialen Medien. Vor kurzem konnte man lesen, dass ihr eure ersten Kunden gewonnen habt. Was hebt euch von anderen Beratern ab?

Der wesentliche Unterschied ist, dass wir zu Themen beraten, die wir selber schon persönlich verantwortet und operativ umgesetzt haben. Dadurch, dass wir als CIO und CFO/ Sprecher der Geschäftsführung für die digitale Transformation und IT-Modernisierung eines großen Familienunternehmens verantwortlich waren, kennen wir die Perspektive unserer Kunden aus eigener Erfahrung. Und genau diese Stärke bekommen wir auch als Feedback in den vielen Gesprächen mit Interessenten und Kunden zurückgespielt. Das schafft Vertrauen in unsere Beratungsqualität und Umsetzungskompetenz.

Wie konntet ihr einem Kunden bereits konkret helfen?

Die Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens kam auf uns zu, um mit uns gemeinsam einen Plan für die Digitalisierung und IT-Modernisierung ihres Unternehmens zu entwickeln. In einem 8-wöchigen Projekt haben wir dann mit dem Kunden gemeinsam die Anforderungen herausgearbeitet und diese überführt in konkrete Initiativen, eine Ziel-Organisation für IT und Prozesse, einen Umsetzungsfahrplan und eine Ziel IT-Architektur. Der Kunde war sehr zufrieden damit und jetzt geht es an die Umsetzung.

Jeder hat sich schonmal gefragt, was man anders machen würde, wenn man eine eigene Firma hätte.Was werdet ihr in eurem eigenen Unternehmen besser oder anders handhaben?

Uns ist ein Team wichtig, das gut zusammenpasst, dieselben Werte teilt und einfach Bock darauf hat, mesakumo mit uns gemeinsam aufzubauen. Und dazu gehört einerseits, dass wir uns alle fachlich ergänzen und so unseren Kunden eine gute Leistung anbieten können. Mindestens genau so wichtig ist uns aber, dass die Mannschaft auch persönlich zusammenpasst und sich gut ergänzt. Darauf legen wir bei den Vorstellungsgesprächen, die wir gerade viel führen, großen Wert. Wir fragen uns immer, wie die Menschen, die bereits an Bord sind, und die neuen Kandidaten zusammenpassen würden. Bei der Auswahl ist übrigens Diversity auch ein echtes Auswahlkriterium. Wir sind fest überzeugt, dass gemischte Teams einfach bessere Ergebnisse erbringen.

Wo trinkt Mesakumo das Feierabendbier?

Wir haben einen Bierkühlschrank im Büro (lacht). Da Richard ursprünglich aus dem Rheinland stammt, sind da auch immer mindestens 2 verschiedene Sorten Kölsch drin, die über die Zeit variieren. Ergänzt wird das um regionale Biere und Besonderheiten, die uns im Supermarkt Regal anspringen. Wenn das Wetter gut ist, gehen wir aber auch gerne in den Biergarten am Botanicum.

Kategorien
High-Tech Stories

SAX Power – neuartige Batterietechnik aus Ulm

Hast du schonmal von SAX Power aus Ulm gehört?
Nein?
Dann geht es dir wie vermutlich 99% der Ulmer und Neu-Ulmer. Ich finde: sehr zu Unrecht! Still und heimlich entwickelt SAX Power aktuell nämlich einen neuen Solarspeicher, der es in sich hat.
Die Brandgefahr soll deutlich reduziert sein, die Effizienz höher und außerdem soll er 50% länger haltbar sein. Die Batterie kann deutlich einfacher, per Plug-and-Play, an die Solaranlage angeschlossen werden.
Freunde der Solarenergie staunen nicht schlecht, wenn sie hören, was Lei Shen, Gründerin und Geschäftsführerin, und ihr Team hier auf die Beine gestellt haben.
Seit 2019 entwickelt das Startup mit Hochdruck an seinem neuen Produkt und hat dabei schon manche Höhen und Tiefen erlebt. Doch Schweiß und Überstunden haben sich gelohnt: im Frühjahr 2021 erhält SAX Power den “German Innovation Award”. Auch ein VC ist nun mit an Bord.
Jetzt, wo die ersten Speicher ausgeliefert sind und laufen möchten wir mit Robert Sauter von SAX Power über das Unternehmen sprechen.

Robert, als ich Lei Shen 2019 über ihren neuartigen Solarspeicher reden hörte, war ich erstaunt. Heute haltet ihr das fertige Produkt in euren Händen. Wie fühlt sich das an?

Anfangs waren wir uns natürlich nicht sicher, ob unsere Idee funktioniert. Das muss man dann einfach ausprobieren. Als uns 2019 der technische Durchbruch gelang, wussten wir, dass wir eine Technologie mit extrem viel Potential in den Händen halten. Unser erstes Produkt, den SAX Homespeicher, bei Kunden in Betrieb zu sehen ist großartig und wir freuen uns auf die weitere Reise.

Wie geht es jetzt weiter für SAX Power?

Wir starten in den Verkauf unseres Solarspeichers. In diesem Jahr werden wir 200 Stück verkaufen. Unsere aktuellen Büros sind für die Fertigung und unser wachsendes Team viel zu klein, deswegen ziehen wir bereits im Juli auf unser neues Grundstück in Erbach in einen Bürocontainer. Auf diesem Grundstück steht dann, wenn alles gut läuft, Anfang nächsten Jahres unsere neue Produktionshalle. Dann sind wir startklar für die Massenfertigung!

Welche Zielgruppe sprecht ihr mit eurem Speicher an?

Unsere Plug-in Lösung ermöglicht auch bei alten Anlagen eine einfache und schnelle Installation, ohne dass man eine Wand öffnen muss, um Leitungen zu verlegen. Unser Speicher ist daher besonders für Nachrüster hervorragend geeignet. Aber auch Neuinstallationen profitieren von unserer Technik: der batterieseitige Wechselrichter entfällt komplett, es wird kein teurer Hybridwechselrichter benötigt. Unsere Zielgruppe sind also Nachrüster sowie Neuinstallateure, denn auch von der Sicherheit unserer Speicher profitieren alle!

Wenn Sie eine Sache auswählen müssen: was ist die größte Innovation Ihres Produkts?

Das leistungselektronische Steuersystem, das die Überwachung und Steuerung der Batteriezellen ermöglicht.

Regionalität ist für Startups ja immer ein großes Thema. Wie wurde und wird Ihre Idee in Ulm und Neu-Ulm angenommen?

Wir haben eine enorme Unterstützung aus der Region erhalten, wofür wir sehr dankbar sind. Ohne die Unterstützung der Stadt Ulm, von Liebherr und dem Gründerzentrum TFU wären wir nicht so schnell so weit gekommen. Es hat uns positiv überrascht, wie offen diese neue Technik (hier im doch eher konservativen Schwabenländle) angenommen wird. Viele Leute waren sofort bereit, die ersten Testgeräte bei sich daheim in Betrieb zu nehmen!

Wohin soll es in den nächsten Jahren mit SAX Power gehen?

Wir wollen in die E-Mobilität. Die Vorteile unserer Technik kommen besonders in diesem Bereich voll zur Geltung. Unser Ziel ist es, elektrisch betriebenen Fahrzeugen, Booten und Maschinen zum Durchbruch auf dem Massenmarkt zu verhelfen und so eine emissionsfreie Mobilität zu fördern.

Und zum Abschluss: wo bestellst du im Lockdown in Ulm oder Neu-Ulm am liebsten Essen to-go?

Hier im Donautal gibt es fußläufig nicht viele Möglichkeiten – um die Ecke ist eine Dönerbude. Die ist zwar ganz gut, aber ich bin froh, wenn wir in Erbach sind und die Speisekarte wieder etwas abwechslungsreicher wird!

Kategorien
High-Tech Stories

Rocket Ulm im Interview mit dem Leiter Quantencomputing beim DLR

Das DLR (Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt) plant, in naher Zukunft einen Quantencomputer mit 100 Qubits zu entwickeln. Dazu soll die Forschung und Entwicklung nun staatlich noch mehr gefördert werden. Unter anderem auch in Ulm.
Wir haben mit Robert Axmann, Leiter Quantencomputing, gesprochen und weitere spannende Infos zu den Plänen erhalten.

Die Nachricht darüber, dass das DLR plant die Forschung an Quantencomputern zu fördern hat für viel Aufregung und Euphorie gesorgt. Unter anderem soll Ulm dabei ja eine wichtige Rolle zukommen. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Ulm wird eines der Innovationszentren für unsere Initiative zum Bau von Quantencomputern. Hier entwickeln Partner aus Forschung, Industrie und eben Startups gemeinsam mit dem DLR die notwendigen Technologien für die zukünftige Quantencomputergenerationen.
Einer der Aspekte ist dabei die räumliche Nähe der beteiligten Partner an einem Standort. Dies ermöglicht uns die Kooperation und Problemlösung ohne große Umwege. Gerade auch neue Unternehmen profitieren von einem Ökosystem. Neue Talente können einfacher angeworben werden und eine direkte Vernetzung mit weiteren Partnern gelingt beser. Denn neben den technologischen Herausforderungen, welche zweifelsohne beim Quantencomputing noch vorhanden sind, ist der Faktor „Talent“ – also die Gewinnung der notwendigen Fachkräfte – einer der zentralen Aspekte für den Erfolg.

Wo genau wird sich das DLR in Ulm denn ansiedeln?

In Ulm gibt es bereits das “DLR Institut für Quantentechnologien” unter Führung von Herr Prof. Dr. Wolfgang Schleich. Daneben befindet sich ein Institut für Künstliche Intelligenz unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Frank Köster im Aufbau. Diese beiden DLR-Institute werden zukünftig einen gemeinsamen Standort auf dem Eselsberg beziehen. In diesem Gebäudekomplex  werden zukünftig auch die Quantencomputing Initiative des DLR und die damit verbundenen Forschungspartner aktiv sein. Wir stellen dort Bürofläche, aber auch Laborflächen zur Verfügung.

Unter anderem sollen ja auch Startups an der Entwicklung mitwirken. Welche Expertise sollte ein Startup mitbringen, um für eine Zusammenarbeit in Frage zu kommen? Und wo können sich interessierte Unternehmen diesbezüglich vorstellen?

Bei der Frage wo man sich vorstellen kann, möchte ich auf die laufende Marktvorinformation verweisen. Diese ist HIER zu finden. Bei weitergehenden Fragen zur Marktinformation kann man uns natürlich auch direkt ansprechen.
Die Expertisen werden in allen Bereichen gesucht, welche für das Quantencomputing relevant sind. Das sind neben Hardware- und Softwareentwicklung auch Themen wie Zulieferindustrie oder konkrete wirtschaftlich relevante Anwendungen.
Startups sollten eine klare Vorstellung von der Zielsetzung ihrer Produkte am Markt mitbringen, damit eine Beteiligung an den Ausschreibungen für Beauftragungen möglich ist. Das ganze Programm fußt auf dem Konjunkturpaket der Bundesregierung und hat eine Laufzeit von 4 Jahren. Der Zeitraum ist relativ kurz, wir werden daher die Firmen sehr fokussiert einbinden.

 

Welche Rolle spielen denn Startups in der aktuellen Entwicklung bereits?

In der aktuellen Entwicklung spielen Startups, aber auch schon einige eher kleinere Firmen, eine wichtige Rolle. Sie treiben die Ideen für neue Quantencomputeransätze voran, entwickeln die notwendige Software und entwickeln die ersten Anwendungen. Viele bauen oder planen den Bau kompletter Quantencomputersysteme, was sie von etablierten Playern in der Industrie unterscheidet.  Diese geben sich häufig eher zurückhaltend und warten auf den anstehenden Durchbruch der Quantencomputer, um diese dann in den eigenen Geschäftsprozessen einzusetzen.
Wir sind aktuell schon mit dutzenden Firmen im Gespräch, welche ihre eigenen Kompetenzen einbringen möchten; ein sehr spannender Prozess! Die Namen stehen aber noch nicht fest, da wir uns aktuell noch in der ersten Phase des Projektes befinden, wo Konzepte eingereicht werden und die Roadmap entwickelt wird.

IBM will noch in 2021 einen quantenbasierten Prozessor mit 127 Qubits vorstellen. Der in Deutschland entwickelte Quantencomputer hingegen soll erst in einigen Jahren die 100 Qubits erreichen. Ist der Vorsprung, den die Tech-Giganten bereits haben, überhaupt noch aufzuholen?

Wir haben in Europa eine sehr gute akademische und industrielle Basis um diesen Vorsprung aufzuholen. Es gibt nicht den einen besten Weg zum Bau von Quantencomputern, sondern viele verschiedene Ansätze. Da sind Fragen der Temperatur und der Integration einer Zahl zunehmender Qubits zu lösen. Die einzelnen Aspekte sind bekannt, nur die Integration in ein System mit tausenden oder Millionen von Qubits sind noch große Herausforderungen. Man kann also nicht pauschal auf die Anzahl der Qubits schauen, sondern muss die darunter liegende Architektur mitbetrachten. Gibt es sinnvolle Anwendungen welche bereits darauf laufen? Habe ich die Fehlerkorrektur unter Kontrolle? Kann ich die Zahl der Qubits ohne neue Fertigungsverfahren einfach verdoppeln?
Diese Fragen werden aber in den nächsten Jahren angegangen und gelöst.

Vielen Dank, Herr Axmann!

Kategorien
Neuigkeiten

Wie man Small Cap Altcoins und IDOs kauft

Wer lange genug auf dieser Welt lebt weiß vielleicht noch, welche Aufbruchstimmung herrschte, als das Internet plötzlich für jedermann zugänglich und bezahlbar wurde.
Was derzeit in der Welt der Kryptowährungen vor sich geht, kommt da schon sehr nahe ran. Bitcoin, Ethereum & Co schaffen es mittlerweile bis in die Mainstream Medien.
Weniger hört man allerdings von sog. Altcoins (Alternative Coins). Dies sind eher unbekannte Kryptowährungen mit kleiner Marktkapitalisierung. Potentielle Investoren erhoffen sich hier Renditen jenseits von 10X und suchen entsprechende Einstiege in diese Coins.
Das ist allerdings nicht ganz einfach. Während man die gängigen Kryptos auf Exchanges wie Kraken, Binance oder Coinbase kaufen kann, muss man bei den Altcoins schon etwas mehr Aufwand betreiben.

Hier stellen wir die einige Möglichkeiten vor, wie du Altcoins kaufen kannst.

Vorsicht! Unbedingt lesen.

Altcoins sind hoch spekulativ und können zum Totalausfall führen. Informiert euch stets gut und intensiv über die Teams hinter den Coins. Bleibt äußerst kritisch und nehmt euch Zeit, eine umfassende Recherche durchzuführen, bevor ihr euer Geld investiert.

Vorbereitung

Auf machen Exchanges wirst du Ethereum benötigen, um Coins kaufen zu können.
Ethereum kannst du auf den bekanntesten und sichersten Exchanges kaufen, z.B.
Kraken
Coinbase
Binance
Bitcoin.de (Deutsch)
Die BISON App der Börse Stuttgart (Deutsch)

Uniswap

Eine der bekanntesten Exchanges für Altcoins ist Uniswap. Hier findet man die meiste Anzahl an Altcoins.
Zu beachten ist, dass das Ethereum Mainnet aktuell hohe Gebühren für Transaktionen berechnet. Grund dafür ist das rasante Wachstum und die Bekanntheit von Ethereum. Das bedeutet hauptsächlich, dass sich kleine Investments kaum lohnen oder schlicht unmöglich sind.

URL: https://uniswap.org/

Pancakeswap

Pancakeswap

 Diese Exchange nutzt die Binance Smart Chain als Grundlage. Dafür benötigst du den Binance Token (BNB), den du dort oder auf Binance erwerben kannst. Die Anzahl der Coins auf der Binance Smartchain ist etwas geringer, allerdings haben sie einen entscheidenden Vorteil: die Transaktionsgebühren sind, im Gegensatz zum Ethereum Mainnet, deutlich günstiger. Dies macht Pancakeswap vor allem für Newcomer interessant.

URL: https://pancakeswap.finance

Honeyswap

Eine weitere Ethereum Alternative: die xDai Chain. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Binance Smart Chain. Geringere Gebühren, aber auch weniger Auswahl.

URL: https://honeyswap.org

Launchpads

Jeder, der in Altcoins investiert, stellt sich irgendwann die Frage, wie man in einer frühen Phase in Projekte einsteigen und sich an IDOs (Initial Dex Offerings) beteiligen kann. Früher war dies nur institutionellen Investoren oder sehr gut vernetzten Individuen möglich. Aber auch hier tut sich mit der steigenden Bekanntheit von Kryptowährungen so einiges. Launchpad Projekte wollen nun auch Kleininvestoren die Möglichkeit geben möglichst früh Teil eines neuen Coins zu werden.

Auch hier sei nochmal gesagt, dass ein neuer Coin gleichzusetzen ist mit einer Startup-Gründung. Wer hier investiert geht ein unternehmerisches Risiko ein, das zum Totalausfall führen kann. Ein beachtlicher Teil der neuen Coins wird vermutlich wieder verschwinden und ein 100x ist ganz sicher nicht die Regel. Informiert euch also sehr genau über die Teams und Projekte und investiert nur Geld, das euch nicht weh tut, wenn es verpufft!

Wichtig: jede Plattform hat ihre eigenen Regeln, was den Kauf von IDOs betrifft, z.B. Staking von Coins oder ein Mindestinvestment. Alle Details dazu findest du auf der jeweiligen Seite.

Binance Launchpad

Binance hat ein eigenes Launchpad, auf dem schon einige Projekte gestartet wurden. Details dazu findest du in der Binance App.

Polkastarter

Eines der bekanntesten Launchpads.

URL: https://www.polkastarter.com

Trustswap

Ein jüngerer Anbieter, der bisher noch keine explosiven Coins gelaunched hat und aktuell stetig wächst. Trotzdem sollte man ihn auf dem Schirm haben.

URL: https://www.trustswap.org/de

Kategorien
Green Tec Stories

Mango Solar

Über eine Millarde Menschen haben keinen Zugang zu Elektrizität. Die meisten von Ihnen leben in ländlichen Gegenden in Afrika. Mango Solar aus Ulm macht sich auf, diesem Problem mit Clean-Tech zu begegnen. Wir fanden das Projekt so spannend, dass wir Geschäftsführer Danny Friedrich zum Interview eingeladen haben.

Danny, du sagst, dass dir die Idee zu Mango Solar bei zwei Bier am Flughafen von Bangkok gekommen ist. Ich behaupte mal, gute Ideen hat jeder irgendwann. Aber nicht jeder geht danach los und gründet ein Unternehmen. Was treibt dich an?

Wenn ich so drüber nachdenke, hat für mich alles in Indonesien bei Saunatemperaturen auf einem Dachboden begonnen. Mein Kollege Manuel und ich haben dort 2010 eine kleine Solaranlage auf dem Dach einer Schule installiert. Ich war dabei für die Verkabelung zuständig und habe mehrere Stunden schwitzend auf dem Dachboden verbracht und mich relativ frustriert gefragt: „Was mache ich hier eigentlich?“.
Die Frage konnte ich mir wenige Augenblicke später beantworten, als ich die Reaktion der Schüler und Lehrer vor Ort miterleben durfte, als wir das Licht eingeschaltet haben. Etwas das für uns hier in Europa so selbstverständlich ist, bereitet Menschen in anderen Regionen der Welt so viel Freude, die ich mir bis dato nicht vorstellen konnte. Diese Erfahrung war für mich unbezahlbar und seit diesem Zeitpunkt dachte ich mir: Wow, ich kann mit den Dingen, die ich gelernt habe, einen sozialen Impact erzielen, welcher sich gleichzeitig positiv auf unsere Umwelt auswirkt. Zusätzlich kann ich damit auch noch meinen Lebensunterhalt finanzieren.
Das ist für mich eine Win-Win-Win Situation und vermutlich der Ursprung meines Antriebs. Hinzu kommt, dass ich das Riesenglück habe, mit unserem Team und vielen anderen Menschen zusammen zu arbeiten, die ähnliche Beweggründe haben. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, irgendwas anderes zu machen oder in einem anderen Umfeld zu arbeiten.

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag von deinem Mitgründer Manuel in Kenia aus?

Ein klassischer Arbeitstag von Manuel in Kenia sieht eigentlich nicht viel anders aus als der vom restlichen Team in Deutschland, da er meistens auch im Home Office ist. Vor der Krise ging er einmal pro Woche in einen Co-Working Space in Nairobi zum Netzwerken mit anderen lokalen und internationalen Entrepreneurs. Ein großer und wichtiger Teil seiner Aufgaben ist es auch, den Kontakt zu lokalen Partnern zu halten und das Netzwerk weiter auszubauen. Ersteres durch regelmäßige Treffen zum Mittagessen, einem Kaffee oder auch mal auf ein Bier. Zweites durch die Teilnahme an lokalen und internationalen Veranstaltungen, wie verschiedene Messen und Konferenzen.

Besonders spannend wird es dann, wenn es darum geht, Feldstudien oder Tests in ländlichen Gegenden durchzuführen, um das Feedback von Endkunden einzuholen, Thesen zu überprüfen oder allgemein neue Erkenntnisse über den Markt zu erlangen. Diese finden in der Regel mit lokalen Partnern statt. Zum einen, um Zugang zu ländlichen Gemeinden zu bekommen, da man dort als “Muzungu” (Swahili für “Weiße”) nicht einfach so herein spazieren kann. Und zum anderen, da es in ländlichen Gebieten leichter ist und mehr Vertrauen schafft, wenn man sich mit den Menschen in der lokalen Sprache unterhalten kann (davon gibt es in Kenia an die 70 verschiedene).

Für eine Feldstudie findet die Anreise meistens schon am Vortag statt. Je nachdem, wo diese stattfindet, entweder mit dem öffentlichen Langstreckenbus oder mit dem Mietwagen. Früh morgens trifft man sich dann mit dem lokalen Partner zum Frühstück, um alles zu besprechen und dann geht es gestärkt für den Tag auf in entlegene Dörfer. Dort beginnt die Suche nach geeigneten Interviewkandidaten. Oft werden diese einfach auf der Straße angesprochen oder man fragt sie vom Rand ihres Grundstücks aus, ob sie bereit zu einem Interview wären.
Die meisten sind sehr freudig und bereitwillig – es werden meist schnell mehrere Plastikstühle oder Sonstiges zum Sitzen für das Interview herbeigeschafft. Manchmal wird man auch mit Tee und Süßkartoffeln oder Arrow Roots als Snacks bedient. So geht es dann von Haus zu Haus und von Dorf zu Dorf, bis der Abend hereinbricht und es Zeit wird, wieder ins Hotel zurückzukehren.
Bei einem gemeinsamen Abendessen und einem Bier  lässt man den Tag und die Erkenntnisse dann Revue passieren. Oft wird dann auch gleich der nächste Tag geplant. Manchmal reicht ein Tag für eine Studie, aber in der Regel sind es mehrere, manchmal in der gleichen Gegend oder es geht am nächsten Tag weiter in ein anderes Gebiet.

Ihr stellt eure Produkte lokal her. Was bedeutet das genau?

Unser Ziel ist es, möglichst viel Wertschöpfung vor Ort zu generieren. Das bedeutet, dass wir so viele Komponenten wie möglich vor Ort beziehen und das Produkt auch vor Ort in Nairobi assemblieren.
Einen Teil der Komponenten müssen wir importieren, da nicht alles lokal verfügbar ist. Eine kürzliche Erhöhung der Import-Zölle und die globale Krise stellen uns derzeit vor neue Herausforderungen, weshalb wir aktuell eine agile Strategie-Anpassung machen und zu einem Software-Unternehmen „mutieren“. Mehr dazu verraten wir in den nächsten Wochen, wenn auch unsere neue Website online geht. Eine lokale Wertschöpfung soll dennoch nach wie vor stattfinden, und zwar indem wir einen Teil des Software-Entwicklungsteams in Kenia einstellen.

Was ist aktuell eure größte Herausforderung und wie geht ihr mit ihr um?

Vor ein paar Wochen hätte ich noch gesagt: Finanzierung. Es gibt ein Sprichwort, das heißt: “Vor der Finanzierung ist nach der Finanzierung.” Und das kann ich bestätigen.

Einen großen Teil der Zeit haben wir die letzten Jahre mit Anschlussfinanzierung verbracht, in Anknüpfung an unsere Gründerstipendien. Vor wenigen Wochen haben wir eine erste größere Investmentrunde abgeschlossen. Nun haben wir also ein wenig Luft, bis es in die nächste Runde geht, und können uns auf Softwareentwicklung, Marketing und Vertrieb konzentrieren. Unsere derzeit größte Herausforderung ist vermutlich ein typisches Startup Problem: Limitierte Ressourcen. Wir haben so viele Ideen, müssen allerdings klar priorisieren und können (leider) nicht alles von heute auf morgen umsetzen.

Was ist deine Vision für Mango Solar?

Unsere Vision könnte man in zwei Worten beschreiben: „Grünes Afrika“.
“Grün” meint hier verschiedene Facetten – es bedeutet für uns einen größtmöglichen Impact zu erzielen, welcher an die 17 Sustainable Development Goals der UN angelehnt ist. Dabei fokussieren wir uns vor allem auf SDG7, “Bezahlbare und saubere Energie” (https://sdgs.un.org/goals).
Bis 2030 wollen wir insgesamt 100 Millionen Menschen erreichen, deren Lebensweisen positiv beeinflussen und einen skalierbaren Beitrag für unseren Planeten leisten.

Und zuletzt: wo trinkst du in Ulm oder Neu-Ulm deinen Feierabenddrink?

Bei schönem Wetter auf jeden Fall draußen im Biergarten, beispielsweise im ROXY, in der Stiege oder im Barfüßer.

Sonst immer mal wieder gerne auch im Gleis44 oder in der Apotheke.

Kategorien
Startup Tipps Stories

Akquise für Startups: No-Gos mit IT-Leiter David Schmidt

Jeder, der in leitender Position arbeitet, hatte vermutlich schon einmal Kontakt mit einem Menschen, der energisch Akquise macht. Oft laufen diese Gespräche für beide Seiten nicht besonders erfreulich ab. Deshalb verabscheuen 90% der Mitarbeiter im Vertrieb die Kaltakquise. Keine andere Disziplin im Vertrieb ist so umstritten, so gefürchtet und manchmal so gehasst die wie Kaltakquise.
Und doch sitzen Gründer Woche für Woche zusammen, um wieder zum selben Ergebnis zu kommen: irgendwie müssen wir neue Kunden ansprechen.

Akquise ist eines der größten Spannungsfelder im beruflichen Miteinander.

Mit dem Aufstieg von Linkedin war es nur eine Frage der Zeit, bis eifrige Vertriebler auch dorthin ihren Weg finden würden. Seither reibt man sich verwundert die Augen, wenn man z.B. so angesprochen wird:

 

Hey,

Ich finde dein Profil spannend und würde mich gerne mit dir connecten. Abgesehen davon ist es ziemlich cool, mit mir vernetzt zu sein 🙂

oder der Klassiker unter den “Anmachsprüchen”.…

 

Lassen Sie uns doch vernetzen. Kontakte schaden ja bekanntlich nur dem, der sie nicht hat.”

Ich bin mir sicher: beinahe jeder wurde auf Xing oder Linkedin schonmal so, oder schlimmer, angesprochen. Ich lese in meinem Newsfeed regelmäßig aufgeregte Diskussionen dazu, die bisweilen auch ziemlich lustig werden.

Die Frage aber bleibt: wie spricht man nun Menschen an, die einen noch nicht kennen?
Wir haben uns gedacht: warum nicht einfach jemanden fragen, der selbst oft Ziel von Ansprachen ist? Deshalb haben wir David Schmidt, IT Leiter der Schulz Group, kurzerhand zum Interview eingeladen.

Herr Schmidt, IT Leiter gehören in Unternehmen zu den Mitarbeitern, die mitunter am häufigsten von Verkäufern angesprochen werden. Unter uns: wie schlimm ist es?

Man wird fast täglich angerufen oder angeschrieben. Die meisten Anfragen laufen nach einem Standardprocedere ab. Die Ansprachen sind gleich, meine Antworten sind gleich. 

// No-Go: Standardtexte auswendig lernen

Welche Arten oder Verhaltensweisen in der Kaltakquise stoßen Ihnen persönlich am meisten auf?

Wenn die Kaltakquise auf Falschinformationen konstruiert wird. Oft werden am Empfang oder bei der Assistenz ein ausgemachter oder anstehender Termin suggeriert, um zu mir durchgestellt zu werden.

// No-Go: Bei Kaltakquise niemals lügen

Fällt Ihnen aus der Vergangenheit eine Situation ein, in der eine Ansprache für Sie tatsächlich mal gewinnbringend war?

Ja natürlich, aber keine am Telefon.
Das war im Rahmen eines Vortrages zum Thema künstliche Intelligenz. In der Pause kam es zu einem Austausch.

Reden wir über Startups. Die Suche nach neuen Kunden ist für Gründer überlebenswichtig. Wie würde eine Kontaktaufnahme am Telefon aussehen, vor der Sie nicht sofort davonrennen möchten?

Ich persönlich halte eine Kontaktaufnahme am Telefon für sehr schwierig und verzichte auf eine Kaltakquise. Jedem Startup würde ich empfehlen die Zeit besser zu nutzen.

Vielleicht kann ich es mit folgendem Beispiel besser erklären: Sie schauen im TV eine Sendung, die Sie wirklich interessiert. In der Werbepause werden Produkte vorgestellt, die mit dem Inhalt absolut nichts gemein haben. Schon vor oder spätestens nach dem ersten Werbeblock schaltet man um oder stellt auf lautlos.

Das Gleiche macht man schon fast automatisiert am Telefon.  Die Ansprachen dauern meistens ca. 15 Sekunden 😉

Thema Linkedin. Es gibt Menschen, die sagen: wer schon in der Kontaktanfrage pitcht, hat verloren. Wie gehen Sie damit um und was muss eine professionelle Anfrage Ihrer Meinung nach enthalten?

Dann gehöre ich auch zu diesen Menschen. Ich würde Ihre Frage umformulieren und damit womöglich eine Antwort liefern. Wie können Unternehmen es schaffen, dass die Kunden sich mit dem Unternehmen oder mit der Person vernetzen? Das wird eine Herausforderung bleiben. Erschwerend kommt hinzu, dass wir in einer „VUCA Welt“ leben, ein bewährtes Vorgehen kann morgen schon überholt sein.

Meiner Meinung muss jemand von seinem Unternehmen, von seinem Produkt zu 100% überzeugt sein.

Da fällt mir ein passendes Zitat von Augustinus Aurelius von Hippo ein (354 – 430):

 „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst…“

Und zum Schluss: was sind Ihre persönlichen No-Gos?

Alte und bekannte Verkaufstaktiken, Reden über Belangloses, das Kopieren von Körpersprache (Gestik, Position), Unhöflichkeit und fehlende Professionalität. Die kommt z.B. zum Vorschein, wenn der Gegenüber eine Ablehnung seines Angebotes persönlich nimmt. Eine zu häufige Kontaktaufnahme zu einem offenen Angebot wirkt genauso unprofessionell.

Vielen Dank, Herr Schmidt!

Kategorien
Startup Tipps

Wie du auf Linkedin garantiert niemanden ansprechen solltest

Linkedin ist aktuell das Nummer Eins soziale Business-Netzwerk.
Da wundert es nicht, dass es zunehmend auch als Akquiseinstrument eingesetzt wird. Mittlerweile tummeln sich dort auch Automatisierungstools, die mit ein paar Klicks die hundertfache Ansprache der Zielgruppe ermöglichen.
Zu schön, um wahr zu sein?
Ja und nein. Es hängt sehr stark davon ab, wer diese Zielgruppe ist und wer sonst noch alles hinter ihr her ist. Darin unterscheidet sich der Kanal Linkedin nicht von anderen Akquisemethoden. Je höher in der Hierarchie man geht, desto schwerer wird es und desto öfter ist man einer von Vielen.

Deshalb ist die richtige Ansprache wichtig. Wichtig ist aber auch wie man es nicht macht.
Plumpe, unprofessionelle Ansprachen haben nun auch bei Linkedin Einzug gehalten und sorgen dort zwischenzeitlich sogar für den ein oder anderen Lacher. Zunehmend sind Menschen aber auch genervt von den ständigen Ansprachen.
Deshalb gehe ich heute darauf ein, welche Ansprachen du auf jeden Fall vermeiden solltest, um nicht zum Lacher zu werden oder als Nervensäge auf ewig im Grab der Kontaktanfragen zu landen.

Grundlegend solltest du dir immer die Frage stellen, ob deine Ansprache natürlich wirkt. Würdest du den Text, den du dir zurechtgelegt hast, auch in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht aussprechen? Diese Frage ist schon ein erster Filter, den du nutzen solltest, um deine Strategie zu bewerten.
Natürlich müsste man den Text in einer realen Situation etwas an den normalen Sprachgebrauch anpassen; es geht hier mehr darum, was du sagen möchtest. Wenn du die nachfolgenden Negativbeispiele liest wirst du verstehen, was ich meine.

Kein Text bei Kontaktanfragen

Das kannst du dir nur erlauben, wenn du die Person bereits getroffen hast oder sie dich kennt. In allen anderen Fällen schießt du dich damit in der Regel direkt ins Aus.
Also: Text ist Pflicht.

Der alte Schuh

Lassen Sie uns doch miteinander vernetzen. Kontakte schaden ja bekanntlich nur dem, der Sie nicht hat.”
Das ist das Äquivalent von “Na Süße, auch hier?”. Das hat schon in Clubs nicht funktioniert. Abgedroschen, nichtssagend. Vergessen!

Gemeinsamkeiten

Wie ich sehe sind wir in der selben Gruppe / haben die selben Interessen / haben wir einiges gemeinsam, etc. Daher würde es mich freuen, mich mit Ihnen zu vernetzen!

Das ist eine schlechte Ausführung des kleinen Einmaleins für Linkedin Ansprachen.
Dieser Mensch hat in einem Linkedin Akquiseseminar- oder Artikel gelernt, dass Gemeinsamkeiten die Chance erhöhen, einen neuen Kontakt zu erhalten. Das stimmt, allerdings ist es lange nicht genug, diese einfach aufzuzählen. Mal ganz abgesehen davon, dass die reine Mitgliedschaft in einer Linkedin-Gruppe oder das Interesse an einem Thema eigentlich noch nicht einmal als nennenswerte Gemeinsamkeit durchgehen sollte. Bei deinem Gegenüber wird das kein Interesse auslösen und die wirklich guten Kontakte werden nicht darauf eingehen.
Gemeinsamkeiten sind dann von Vorteil, wenn sie in der persönlichen Wertigkeit höher angesiedelt sind. Zum Beispiel, wenn man im selben Sportverein oder der selben Universität war. Der Bezug der Person zu der Gemeinsamkeit muss stark genug sein.

In alltäglichen Situationen wissen wir das ganz natürlich. Ein gemeinsamer Bekannter ist ein deutlich besserer Einstieg in ein Gespräch als das selbe Paar Schuhe an den Füßen.

Das falsche Kompliment

Ich habe mir Ihr Profil angeschaut und finde es sehr spannend. Ich würde Sie deshalb gerne in mein Netzwerk einladen.

Vielleicht hast du diesen Satz auch schonmal erhalten.
Dachtest du dabei: “Nett, dass sich da jemand mein Profil so genau angeschaut hat“? Vermutlich nicht.
Die Realität ist, dass dieser Satz tausendfach durch Businessnetzwerke geistert und jeder weiß, dass das Gegenüber sich diese Mühe eben nicht gemacht hat. Ergo: nicht die Wahrheit sagt. Und nichts sagt mehr Ich bin ein Verkäufer als diese Ansprache.
Wirklich kein guter Start mit einem neuen Kontakt. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass es nie zu einem Kontakt kommt. Weg damit!

Der Tauscher

Ich bin immer auf der Suche nach wertvollem Input und Ihr Profil sieht spannend aus. Lust auf einen Austausch?

Auch dieser Satz sagt rein gar nichts aus.
Wie kommt mein Gegenüber darauf, dass ich auf Linkedin überhaupt Input liefere? Nur ein kleiner Teil der Mitglieder dort veröffentlicht tatsächlich wertvolle Inhalte.
Lust auf einen Austausch? Einen Austausch worüber?
Fragen über Fragen. Wer einmal darauf reingefallen ist wird es übrigens nicht wieder tun. Meist heißt “Austausch” nämlich genau das.
Ich möchte mit Ihnen tauschen: Ihr Geld gegen meine Dienstleistung.

Ich habe diese Anfrage schon hundertfach erhalten. Ein wertvoller “Austausch” kam dabei übrigens nie zustande.

Der Pitch

Ja, man kann auch direkt einen Salespitch bringen.
Wenn du das auf C-Level versuchst, muss dein Text und deine Idee herausragend sein. Ein C-Level Executive erhält eine Menge Ansprachen, von denen ein Großteil ignoriert wird. Achtung: selbst, wenn der Service oder das Produkt grundlegend passen würden.

In der Realität wirst du erst einige Anstrengung aufbringen müssen, um zu dieser Person zu gelangen. Das Unternehmen hätte die Chance, vorher auszusortieren, wen man anhören möchte und wen nicht. Das ist nun nicht mehr möglich, weshalb C-Levels für Anfragen von Unbekannt quasi werbeblind sind. Einfach aufgrund der schieren Menge, die sie erhalten.

Allerdings gibt es auch hierfür Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn der Kontakt sich gerade erst auf Linkedin angemeldet hat und noch keine oder wenige Kontakte hat.
Zwischenzeitlich höre ich auch immer öfter, dass jemand, der sofort pitcht, schon aufgrund dessen nicht angenommen wird. Egal, wie gut das Produkt oder der Pitch ist. Anders gesagt: wer verkaufen will, soll draußen bleiben.

Je größer das Unternehmen und je höher in der Hierarchie man geht, desto unwahrscheinlicher wird der Erfolg.
Je kleiner das Unternehmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg mit dem Pitch.

Was einen guten Pitch auf Linkedin ausmacht ist natürlich ein spannendes Thema, mit dem ich mich an anderer Stelle beschäftigen werde.

Hier soll es erstmal mit den No-Go’s getan sein.

Kategorien
Neuigkeiten

Allgäu Digital – Die Gründerszene im Allgäu

Das Allgäu ist nicht nur einer der schönsten Orte in Deutschland, um die Seele baumeln zu lassen. Längst hat sich hier eine lebendige Startup Szene entwickelt! In Kempten leitet Antonia Widmer das digitale Gründerzentrum Allgäu Digital, das mittlerweile auch über die Berge und Hügel hinaus bekannt ist. Zuletzt machte auch der Allgäu Digital Podcast von sich reden. Für Interessierte der digitalen Transformation ist der Podcast definitiv ein Geheimtipp!

Wir haben mit Antonia Widmer über die Vorzüge des Gründens im Allgäu gesprochen und uns erklären lassen, wie sie die Zusammenarbeit zwischen Mittelstand und Startups fördert.

Enjoy!

"Allgäu Digital" hört sich erstmal sehr nach IT an. Gibt es auch Startups aus anderen Bereichen oder haben Sie diesen Schwerpunkt bewusst gewählt?

Wir haben, als vom bayrischen Wirtschaftsministerium gefördertes Gründerzentrum, ganz klar einen digitalen Fokus. Das heißt: die Startups, die sich bei uns um einen Arbeitsplatz und die Netzwerkaktivitäten bewerben, müssen ein digitales Geschäftsmodell aufweisen. Nichtsdestotrotz haben wir auch die gesamte Gründerregion im Auge, da viele unserer Veranstaltungen sowohl für digitale Geschäftsmodelle, als auch für analoge gelten. Uns ist es wichtig, die gesamte Startup und Gründer.innen-Community im Blick zu haben und zu fördern.  So wird es auch in diesem Jahr wieder ein „Startup Basislager“ geben; eine virtuelle Workshop Reihe, die sich mit den allgemeinen Herausforderungen rund um Gründung beschäftigt.

Wir haben uns über die Jahre ein Beratungsnetzwerk aus regionalen Expert.innen aufgebaut, die die Startups aus der Allgäu Digital Community begleiten. Auch die Allgäuer Gründerbühne, die dieses Jahr bereits das 8. Mal stattfinden wird, ist offen für alle interessieren Gründer.innen mit einer spannenden Idee. Allerdings haben wir vor allem durch die vergangenen Monate gesehen, wie viel Potenzial in der Digitalisierung von Geschäftsmodellen steckt und daher denke ich, dass der digitale Fokus auf alle Fälle sinnvoll ist. Den Innovationen, die wir momentan sehen, liegen selten rein analoge Ideen zugrunde.

In Schwaben haben wir generell die Herausforderung, dass Startups Schwierigkeiten haben in eine Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen zu kommen. Wie sind da Ihre Erfahrungen und wie unterstützen Sie Startups diesbezüglich?

Wir haben in unserem Netzwerk starke Unternehmenspartner, die dediziert an der Verknüpfung mit Startups interessiert sind. Diese Kontakte stellen wir dann schnell und unbürokratisch her. Das ist sehr wertvoll, wenn es z.B. um Beta Testing oder die Erlangung der Marktreife geht. Manchmal aber auch nur, um die Frage zu klären, ob es für diese Idee überhaupt einen Markt gibt.
Allerdings ist ein Thema, mit dem wir kämpfen, die Tatsache, dass wir nicht immer den perfekten Match zwischen Startup und Unternehmen haben. Zum Beispiel ist eine Softwareentwicklung für medizinische Verwaltung nicht wirklich sinnvoll für ein Logistikunternehmen oder ähnliches. Wir müssen also kontinuierlich unsere “Antennen auf Empfang haben”, um einen Mehrwert zu schaffen. Das bedeutet, wir müssen den Ökosystem-Gedanken leben und pflegen und kreativ und offen an dem Netzwerk arbeiten. Denn vielleicht gibt es ja in einem anderen Netzwerk ein Startup, das perfekt zu einem Unternehmen in unserem Dunstkreis passen würde? Oder eben außerhalb unserer Grenzen ein Unternehmen, das für eines unserer Startups ein guter Partner wäre.

Das ist sozusagen unser „Purpose“ bei Allgäu Digital. Wir wollen Startups in der Region fördern, wir wollen regionale Wertschöpfung fördern. Das geht nur miteinander. Diese Offenheit müssen wir gerade im ländlichen Raum noch besser leben.

Womit beschäftigen sich die Startups im Allgäu im Allgemeinen?

Wir haben Startups aus den Bereichen Batteriespeichertechnologie, autonomes Fahren, Smart Farming, digitale Videoproduktion, B2B Verwaltungssoftware, CO2 positive Lebensmittel, Serious Games und Künstliche Intelligenz. Ein bunter Strauß an Ideen also, der sich ständig weiter entwickelt.

Welches Startup aus Ihrem Ökosystem hat in letzter Zeit am meisten von sich Reden gemacht?

Das finde ich schwierig zu beantworten, weil sie in unterschiedlichen Entwicklungsstadien sind bzw. teilweise sehr eng eingegrenzte Märkte bedienen. Dynamic Video z.B. hat mit ihrer App zur Videoproduktion „mozaik“ viel Aufmerksamkeit bekommen, aber auch unser Smartfarming Startup Allägu Automation ist sehr erfolgreich.
Im Moment sitzen bei uns andere Gründer an Ideen, die dasselbe Potential haben, aber eben noch nicht Marktreife haben. Das kann aber in 3 Monaten schon anders aussehen und sie erleben einen Durchbruch. Die Dynamik ist hier sehr hoch und die Geschwindigkeit auch.

In welchem jungen Startup sehen Sie großes Potential?

In allen: wir nehmen nur die Startups auf, bei denen wir das Potential sehen zu wachsen, die Innovation in der Region voranzutreiben und innerhalb des Ökosystems Dynamik hervorrufen. Disruption ist nicht immer negativ 😊

 

Beim Allgäu denkt man nicht sofort an eine Gründerregion. Welche Vorteile hat das Allgäu für Startups?

Die Region bietet einen großen Vorteil durch die Work-Life-Balance. Mit den Bergen vor der Haustür gelingt hier die, in meinen Augen, perfekte Mischung zwischen analog und digital.
Kreativität und Ideen entstehen dann, wenn wir zur Ruhe kommen. Das geht nirgendwo besser, als wenn man den Blick auch mal über den eigenen Schreibtisch hebt und z.B. auf einen Berg wandert oder auf die Ski steigt. Das inspiriert, das gibt Kraft und das motiviert. Zusätzlich sind die Lebenshaltungskosten hier auch noch etwas geringer als in den Ballungsräumen. Aber auch industriell ist die Region ausgezeichnet aufgestellt: starke mittelständische Betriebe, Großkonzerne mit Niederlassungen, das zieht Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen an. Genau das, was ein Ökosystem eben braucht.

Und zum Schluss: Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrestaurant in Kempten?

Je nach Appetit und Tageszeit: für regionale Küche ist die Weinstube Hensler für mich ein absolutes Juwel: kleine Speisekarte, ausgezeichnete Weine. Aber Kempten hat auch gute indische, asiatische und italienische Küche. Den Nachmittagsespresso trinke ich gerne im Caffé Roma. Für das Glas Wein nach der Arbeit und einen Snack mit Freunden ist das M&M perfekt.

Kategorien
Food Stories

Catch Your Bug

Insekten zum Kochen und Essen

Dem Einen treiben sie die Schweißperlen auf die Stirn, für andere sind sie eine Delikatesse: Insekten.

In Schnürpflingen züchten Michael Bullmer und Marco Schebesta mit ihrem Team Insekten für den menschlichen Verzehr heran. Nach der Aufzucht werden die Insekten zu Insektenmehl oder zu Snacks verarbeitet und über die den eigenen Shop Catch Your Bug zum Kauf angeboten.
Sie gehören dabei zu den Pionieren einer im Westen neuen Form der Nahrungsmittelerzeugung. Nur sehr wenige Gründer beschäftigen sich aktuell mit diesem eigentlich zukunftsträchtigen Thema. Dazu gehört zum Beispiel auch Frank Thelen, der mit seinem Freigeist Capital an einem Unternehmen beteiligt ist, das ebenfalls mit Insekten arbeitet.

Wir wollten uns das näher anschauen und haben dazu mit Marco gesprochen. Viel Spaß mit der Story!

Marco, auf deiner Reise durch Asien hast du zum ersten mal Insekten gegessen. Seither beschäftigst du dich beruflich damit. Anfang 2020 hast du Catch Your Bug gegründet. Was ist seither passiert?

Als ich zum ersten Mal Insekten probieren durfte war ich positiv über die verschiedenen Geschmacksrichtungen der einzelnen Arten überrascht.
Jede Art hat Ihre Besonderheiten hinsichtlich Aroma, der Sensorik und dem Nährstoffprofil.
Wir haben uns vor allem aufgrund des tollen Geschmacks und der Nährwerte für die Heimchen, Mehlwürmer und Wanderheuschrecken entschieden und züchten diese seither.

Die Nachfrage war anfangs etwas zurückhaltend, mittlerweile haben wir hier aber ein gutes Niveau erreicht, das weiter steigt. Das Feedback der Kunden, was uns gerade jetzt am Anfang sehr wichtig ist, war bisher durchweg positiv. Daher sind wir überzeugt den richtigen Weg eingeschlagen zu haben und blicken zuversichtlich in die Zukunft.

Wir haben erst kürzlich aufgrund zahlreicher Anfragen seitens der Kunden gewürzte Insekten-Snacks zum Portfolio hinzugefügt, die den Einstieg in den Verzehr der Insekten erleichtern sollen. In den nächsten Monaten werden wir auch weitere Produkte mit verarbeiteten Insekten anbieten.
Wir versuchen durch ein attraktives und vielseitiges Produktportfolio für das nachhaltige und zukunftsträchtige Thema zu begeistern.

Eine Gründung im Coronajahr ist sicher kein Sonntagsspatziergang. Was hat das mit euch gemacht und wie geht ihr damit um?

Tatsächlich sind sämtliche Messeauftritte und andere Events abgesagt worden, die wiederrum gerade zu Beginn einer Unternehmensgründung wichtig sind um wahrgenommen zu werden. Zudem sind Kunden aus der Gastronomie- und Hotelleriebranche aktuell eher zurückhaltend, wodurch hier ein wichtiger Absatzkanal wegfällt.
Wir konnten jedoch glücklicherweise von einer  stark gestiegenen Nachfrage im E-Commerce profitieren und haben unter anderem an Onlineevents teilgenommen, um auf uns aufmerksam zu machen.
Dadurch haben wir diese Phase bisher gut überstanden, hoffen aber natürlich trotzdem, bald auch auf Messen Auftreten zu können, um den Menschen das Thema näher zu bringen.

Was ist aktuell eure größte Herausforderung?

Es ist äußerst schwierig gegen die Vorurteile in der Bevölkerung anzukämpfen und ein Umdenken zu bewirken. Daher würde ich die Aufklärung über die ernährungsphysiologischen und ökologischen Vorteile des Verzehrs von Insekten als größte Herausforderung bezeichnen.

Ihr züchtet eure Insekten ja im Ulmer Raum. Wie kann ich mir so eine Insektenzucht vorstellen?

Man kann sich die Insektenzucht als hocheffiziente Produktionsstätte vorstellen.
Es ist faszinierend zu sehen wie schnell die Insekten ihr Futter verwerten, wie wenig Platz für die artgerechte Aufzucht benötigt wird und in welch kurzer Zeit sich die Insekten vermehren.
Man kann auf Anfragen unheimlich schnell reagieren und die Produktionsmenge in relativ kurzer Zeit um ein Vielfaches erhöhen.

Insekten als Nahrung zu sich zu nehmen wird auch im Westen immer beliebter. Trotzdem ist man hierzulande noch zurückhaltend. Wie reagieren Freunde und Familie, wenn jetzt regelmäßig Heuschrecken auf den Tisch kommen?

Im Freundeskreis kam die Idee Speiseinsekten zu züchten und diese in den Speiseplan zu integrieren erstaunlich gut an. Ich habe die Insekten immer wieder in gewürzter Form zu Spieleabenden oder zum Sport mitgebracht und das Feedback war sehr positiv.
Die Familie war von der Idee Speiseinsekten zu züchten ebenfalls sehr angetan, jedoch hat es eine gewisse Zeit gedauert, bis dann auch wirklich mal probiert wurde.
Mittlerweile werden bei uns die Mehle regelmäßig verschiedenen Gerichten beigemischt, weil sie diese eben sowohl geschmacklich wie auch hinsichtlich der Nährstoffe aufwerten. 

Und zum Abschluss: deine Lieblingsbar in Ulm?

Mir gefällt es mich immer wieder in anderen Locations aufzuhalten und dank der hohen Dichte an Bars findet man in Ulm immer neue Orte, die einem gefallen.
Ich würde jedoch die Kulisse als meinen aktuellen Favoriten bezeichnen.

Kategorien
Lifestyle Stories

me and all hotel Ulm

Lounge, Lobby und Local Heroes

Ulm bekommt ein neues Hotel.
Das alleine ist ja eigentlich nicht unbedingt eine Meldung für ein Startup Magazin. Aber ich verspreche euch: ihr werdet beim Lesen dieser Story genau so überrascht sein wie ich es war.

Ich habe mit Hotelmanagerin Sarah Bartel über ihre neue Herausforderung für die me and all hotels über den Dächern der Ulmer Sedelhöfe gesprochen. Viel Spaß!

Sarah, du wirst das me and all hotel in Ulm leiten. Erzähl doch mal, wo du herkommst und wie es dich nach Ulm verschlagen hat.

Aufgewachsen bin ich gar nicht so weit von Ulm entfernt auf der Schwäbischen Alb in Gerstetten. Nach dem Abi hieß es erst einmal: ab in die große weite Welt.
Ich kam nach Australien, Stuttgart und St. Peter Ording an der Nordsee und irgendwann wieder zurück in den Süden, nach Ulm.

Euer modernes Konzept ist eine Reaktion auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Ein Coworking-Space im Hotel und Regionalität in der Küche sind ja wichtige Themen für euch. Wie werden diese Ideen von euren Kunden in anderen Städten angenommen?

Unsere Local Heroes sind ein fester Bestandteil in allen me and all hotels und werden von unseren Gästen sehr positiv aufgenommen.
Da gibt es zum Beispiel die Brötchen und das Brot vom Bäcker nebenan, anstatt vom großen Lieferanten. Den Unterschied schmeckt man einfach!
Von der Bäckerei um die Ecke, der kleinen Kaffeemanufaktur in der Stadt bis zur Druckerei, die die T-Shirts der Mitarbeiter bedruckt, versuchen wir die lokalen Unternehmen einzubinden und so auch die regionalen Unternehmen zu unterstützen. Auf die Art bringen wir unseren Gästen die Stadt bei ihrem Aufenthalt auch näher. Sehr gut kommen auch die gemeinsamen Events mit unseren Local Heroes an. Nicht nur bei den Hotelgästen, sondern auch bei den Locals!

Erzähl uns mehr über den Coworking-Space.

Unsere Lounge ist das Wohnzimmer der Stadt; der Coworking Space, der jedem kostenfrei zur Verfügung steht. Mit unserem Aufzug kommt ihr in die 8. Etage mit einem sensationellen Blick über die ganze Stadt. Es gibt genügend Platz und Steckdosen, um sein Homeoffice in unsere Lounge zu verlegen. Zusätzlich ist man mit dem kostenlosen High-Speed WLAN immer gut angebunden.
Freiräume, in denen man Ideen teilen, networken und coworken kann gibt es nicht nur in unserer Bar, die auch echt guten Kaffee macht, sondern auch auf der großen Dachterrasse mit über 200 qm.
Als Rückzugsort für ungestörtes Arbeiten bietet sich der Boardroom mit 18 qm an, welcher flexibel bei unseren Explorern (so heißen unsere Mitarbeiter) angemietet werden kann.

Was hat es mit euren Local Heroes auf sich?

Ein Local Hero ist der Straßenmusiker um die Ecke, der Bäcker mit dem besten Brot der Stadt, die kleine Kaffeemanufaktur in der Region…alles, was Ulm so besonders macht.
Wir sind immer eng verdrahtet mit den Local Heroes unserer Stadt, um sie für unsere Gäste auf unsere Bühnen zu bringen, auf die Teller und in die Gläser zu zaubern. Wir lieben Traditionen und wir lieben das Neueste vom Neuesten. Und wir lieben unsere Städte und ihre Superhelden. Mit unseren Local Heroes versprühen wir Heimatgefühle und kreieren Erlebnisse.

Welchen Ort in eurem Hotel sollte man sich unbedingt mal anschauen?

Unsere Dachterrasse ist “the place to be”!
Bei gutem Wetter sogar mit einem sensationellen Blick auf die Alpen! Hier könnt ihr einfach nur entspannt am Laptop arbeiten, Kaffee mit der besten Freundin trinken oder sich auf ein Feierabendbier treffen.
Das ist unsere 8. Etage, eben das Wohnzimmer der Stadt.

Und zum Schluss: Wohin geht Sarah Bartel in Ulm gerne zum Essen?

Die Ulmer Gastronomie bietet sehr viel Abwechslung und es ist schwer sich für ein Lieblingsrestaurant oder sogar Lieblingsfoodtruck zu entscheiden, doch nach einem genialen Tag beim Wandern oder beim Mountainbiken gibt es immer mein absolutes Soul Food Schnitzel mit Spätzle in der „Neuen Welt“ in der Oststadt. Ob to-go oder im wunderschönen Biergarten, das ist der perfekte Ausklang für einen tollen Tag.

Kategorien
Health Stories

Equil

Der Gesundheitscoach fürs Büro

Schulter-Nacken Schmerzen gehören mittlerweile zu den häufigsten Beschwerden am Arbeitsplatz. Ganze 11 Milliarden Euro sollen Rückenschmerzen die Wirtschaft jedes Jahr kosten: durch Arbeitsausfälle oder verminderte Arbeitsleistung, z.B. aufgrund von Kopfschmerzen. Hier kommt unser Gründerteam Constantin Diesch und Lukas Kühnbach mit ihrem Startup Equil ins Spiel.

Equil entwickelt einen Smart Textile Coach, der Fehlhaltungen beim Sitzen korrigieren und so Schulter-Nacken Beschwerden lindern soll. Das Gerät wird an die Alltagskleidung angebracht und gibt bei einer meist unbemerkt eintretenden Fehlhaltung ein kurzes Vibrationssignal ab, das den Mitarbeiter aufmerksam macht. Die natürliche Reaktion darauf ist die Rückkehr in eine entspannte und damit gesündere Position.

Constantin ist eigentlich Physiotherapeut. Er hat schon viele Patienten mit Schulter-Nacken Beschwerden behandelt und kennt das Problem daher aus erster Hand. Insbesondere die „Hausaufgaben“, die er ihnen zur Vorbeugung  im Alltag mitgab wurden meist nicht oder zu wenig umgesetzt. Beim nächsten Besuch hatte der Patient meist wieder die selben Beschwerden und eine nachhaltige Verbesserung blieb aus, weil die Fehlhaltungen im Alltag beibehalten wurden.

Die ersten Schritte

Das inspirierte Constantin zu seinem Produkt „Equil Neck“. In seinem Studium konzentrierte er sich nun gemeinsam mit seinem Mitgründer auf die technologische Umsetzung: mit Erfolg.
Ein erster Pilotkunde erklärte sich bereit, das Produkt mit 15 seiner Mitarbeiter einen Monat lang auszuprobieren.

Es ist ganz einfach: nachdem man das Equil Neck angezogen hat startet man die App. Dort kalibriert man das Gerät mit ein paar Klicks und schon registriert es die hochgezogenen Schultern vor dem Bildschirm. Unterstützt wird der Mitarbeiter außerdem von Schulungsvideos rund um die Themen Ergonomie am Arbeitsplatz. Durch einen Neck-Score weiß man immer, wie gut das Gerät einen gerade unterstützt und vor allem: wie man sich im Laufe der Zeit verbessert hat.

Der Markt

Equils Zielkunden sind Unternehmen, die die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern möchten, z.B. im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Gerade die Arbeit im Homeoffice wird oft zum Problem, weil die meisten Arbeitsplätze unzureichend ergonomisch ausgestattet sind.
Weiterhin soll ein B2C Onlinevertrieb aufgebaut werden, wo dann jeder seinen eigenen Nackencoach bestellen kann. Insbesondere in sitzenden Berufen spielt das Equil Neck seine volle Stärke aus.

In Zukunft soll das Equil Neck in die Welt hinaus verkauft und direkt in Textilien integriert werden. Dafür sucht Equil übrigens noch einen passenden Investor, der das Startup bei Markteintritt und Skalierung unterstützt.

Kategorien
Neuigkeiten

Die Fuckup Night im Roxy

90% aller Startups scheitern. Mit dem eigenen Startup zu crashen ist also so bitter wie vorhersehbar und ein Ereignis, dass jeder erstmal verdauen muss. Nicht wenige verbinden damit sogar eine gewisse Scham.
Bei der Fuckup Night ist es genau umgekehrt: hier stehen die eigenen Niederschläge im Mittelpunkt und werden fast schon gefeiert. Rocket Ulm war für euch am Start…und hat sich diesmal kein Fuckup geleistet!
An der Stelle geht ein Dank an Heino Trusheim, der das Event mit Witz moderiert und für den ein oder anderen Lacher gesorgt hat. Außerdem an Sebastian Huber von der Stadt Ulm, der die Veranstaltung organisiert und möglich gemacht hat.

Irmeli Gnilka

Die bunt gekleidete Finnin macht mit ihrer Story den Anfang. Mit ihrem ersten Startup hat sie Kleidung über Homeparties verkauft, wie man es von Tupperware kennt. Das Konzept kam gut an und erste Umsätze ließen nicht lange auf sich warten. Nach dem ersten Jahr hatte sie 3 Verkäuferinnen und im dritten Jahr ein Kernteam aus 4 weiteren Frauen, die in und an dem Unternehmen arbeiteten. Zusammen waren sie auf Modemessen in Frankfurt und München, haben sich die neuesten Kollektionen angeschaut und sich für ihre Homeparties ausgestattet. Es war eine aufregende Zeit, sagt Irmeli. Die Firma wuchs in dieser Zeit kräftig und erreichte schon bald einen Jahresumsatz von 250.000 Euro.

Und hier begann es, für Irmeli wackelig zu werden. Wie sie selbst sagt hat sie nie gelernt, vernünftig mit Geld zu wirtschaften. Und so ging es ihr wie vielen unerfahrenen Gründern, die schnell erfolgreich werden: es stieg ihr ein wenig zu Kopf.
Teure Restaurants und Shoppingtouren gehörten zu ihrem neuen Alltag und natürlich waren da noch ihre drei Kinder, die sie gerne verwöhnte. Die Familie fuhr nun mehrmals im Jahr nach Italien in den Urlaub. Kurz gesagt: Geld spielte keine Rolle. Doch irgendwann kam das “verflixte dritte Jahr”. Das Finanzamt meldete sich. Da das Unternehmen gut lief, war eine Umsatzsteuervorauszahlung fällig, die sie mit Ach und Krach leisten konnte. Im folgenden Jahr hatte Irmeli noch öfter das Vergnügen mit dem Finanzamt, was schließlich in der Insolvenz ihres Unternehmens endete.

Learning

  • Such’ dir unbedingt einen ordentlichen Steuerberater, der auch deine Branche kennt
  • Suche Kontakt zu anderen Unternehmern ( z.B. durch Netzwerke) damit du jemanden hast, der dir voraus ist, Erfahrung hat und dir hilft, diese groben Fehler zu umschiffen
  • Zahle privaten Konsum nicht aus der Firmenkasse
  • Entwickle unbedingt eine Strategie und einen Finanzplan für dein Unternehmen
  • Lerne trotz Erfolg zu sparen und auf dem Boden zu bleiben

Übrigens

Irmeli ging nach ihrem Fuckup wieder in die Festanstellung zurück. Dort hielt sie es ganze 7 Monate aus. Nachdem sie schuldenfrei war, kündigte sie ihren Job und ging noch einmal den Schritt in die Selbständigkeit. Heute verkauft sie bunte Wasserflaschen aus Finnland und coacht Einzelhändler darin, wie sie ihre Umsätze steigern können.
Sie lebt minimalistisch und gibt für ihre früheren Leidenschaften kaum noch Geld aus, fügt aber mit einem Augenzwinkern hinzu: “Das geht ganz gut. Ich habe das ganze Zeug von früher noch, das reicht vermutlich noch für die nächsten Jahre.”

Dr. Dennis Schlippert

Dennis Schlippert wusste schon sehr früh, wo er beruflich hinwollte: eine Stelle an der Leibniz Universität Hannover sollte es werden. So hat er sehr früh die Weichen für seine Karriere gestellt und fleißig darauf hingearbeitet. Da schien es fast schon Fügung zu sein, als die Universität für unterschiedliche Themenfelder Stipendien anbot, auf die man sich bewerben konnte. Dennis war sofort klar: er gehörte zu den Auserwählten. Tatsächlich wurde er auch eingeladen, sich vorzustellen. Soweit lief alles nach Plan.

Zu seiner Stipendienprüfung kam er minimal übermüdet, weil er erst am Abend zuvor von einer Reise aus den USA zurückgekehrt war. Kein Jetlag würde sich zwischen ihn und sein Stipendium stellen. Was ihm an Vorbereitung fehlte, gleichte er mit Selbstbewusstsein aus.
Das reichte diesmal aber nicht aus, um die Prüfer zufrieden zu stellen. Er konnte nicht die Leistung abliefern, die er von sich gewohnt war und verließ den Raum an diesem Tag nicht als Gewinner. Diese Stipendien waren sehr begehrt, die Konkurrenz entsprechend hoch und er ihm wurde bald klar, dass er eine einmalige Chance leichtsinnig vertan hatte.

Learning

  • Hochmut kommt vor dem Fall
  • Überschätze dich niemals selbst. Egal, wie gut du bist.

Übrigens

Dennis hat trotzdem noch ein Stipendium erhalten. Auf dem letzten Listenplatz, für ein kleines Projekt und mit ein bisschen Glück. Wir freuen uns mit ihm über das Happy End!

Anton Knaus

Anton ist Ingenieur und macht Standup Comedy. Wie passiert denn sowas, fragt ihr euch?
Nun, es hat mit seinem Fuckup zu tun.

Er war vor einigen Jahren nämlich am Bau einer 900 MW Windkraftanlage in Brasilien beteiligt. Dort sollte er die Qualität der Fundamente überprüfen. Eines Tages gab es mit einem anderen beteiligten Unternehmen auf der Baustelle Schwierigkeiten und man traf sich, um zu besprechen wie man damit umgehen sollte. Antons Ansprache muss sehr überzeugend gewesen sein, obwohl er noch etwas grün hinter den Ohren war, denn man entschied sich für seine Lösung. Diese bestand darin, besagte Firma auszuwechseln. Das stieß bei den dort angestellten Menschen offenbar nicht auf Begeisterung, war die Stimmung wegen der Situation ohnehin schon sehr angespannt.

Sie gingen in den Streik. Nun muss man wissen, dass ein Streik in Brasilien oft etwas anders abläuft. Es geht meist weniger darum, mit Trillerpfeifen und Plakaten für seine Sache zu lärmen, sondern eher mit Stöcken auf Autos einzuprügeln. Und wenn es ganz dicke kommt; so, wie beim Anton, blockieren die Streikenden auch noch alle anderen Gewerke und legen die gesamte Baustelle lahm.
Seine Idee hat letztendlich dazu geführt, dass das Projekt am Ende doppelt so teuer war und sich um Wochen verzögerte.
Er selbst sagt lachend, dass er jetzt Standup macht, weil man sowas nur mit Humor ertragen könne.

Learning

  •  Er hat sich zu oft von seinen Emotionen leiten lassen. Gerade in einer Umgebung, in der der Ton rauer ist und viele Akteure miteinander (und auch gegeneinander) arbeiten, wiegt man seine Entscheidungen oft strategisch ab, anstatt objektiv das Ziel der Sache im Auge zu behalten.
  • Bei allem, was man tut, sollte man seinen Fokus auf das Ziel setzen und sich fragen: überlappt sich das mit meinen eigenen Ambitionen? Bin ich hier richtig?
  • Um Projekte erfolgreich zu beenden, muss es eine „Trust and Relax Atmosphäre“ geben, in der die einzelnen Akteure sich auf das Endergebnis konzentrieren können, ohne sich ständig in Grabenkämpfen gegenseitig aufzureiben.

Übrigens

Antons Humor liegt irgendwo zwischen locker, smart und Gossensprache. Er tritt hauptsächlich in Hamburg auf, also wenn ihr mal in der Stadt seid, checkt ihn aus. Es lohnt sich!

Caroline Schwarz

Den Ulmern ist der Name Ehinger-Schwarz vermutlich schon einmal über den Weg gelaufen. Manch einer denkt dabei vielleicht sogar direkt an Schmuck. Die wenigsten wissen aber, dass die Familie Schwarz eine spannende Geschichte zu erzählen hat, die Caroline Schwarz an diesem Abend zum ersten mal öffentlich erzählt hat.

Obwohl ihr im eigenen Familienunternehmen alle Türen offen standen entschied sie sich früh, Schauspielerin zu werden. So spielte sie einige Jahre am Theater in Berlin, bis sie ihr Weg eines Tages wieder zurück nach Ulm führte. Ihre Eltern baten sie eine Broschüre für das Unternehmen zu gestalten. Rückblickend sagt sie, dass dies der erste Schritt zurück gewesen ist.

Caroline übernimmt die Verantwortung über das Marketing, später steigt sie in die Geschäftsleitung ein. Die nächsten Jahre sind ereignisreich und nicht arm an Höhen und Tiefen. Sie erzählt von Besuchen in New-York, von schillernden Events und einem Lifestyle, den die Meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Aber auch von der Finanzkrise und den rauen Tagen, die für viele Unternehmen anbrachen. Und von Sorgen.

Eines Tages im Jahr 2012 kam ihr Mitarbeiter, der für die Finanzen zuständig ist, zu ihr. Mit gedrückter Stimme erklärte er ihr, dass Ehinger-Schwarz die Löhne der über 100 Mitarbeiter nicht mehr zahlen könne. Der Schock saß tief. In den nächsten Tagen kamen Banken und Berater ins Haus, um die Probleme der Firma zu lösen. Für Caroline eine erschöpfende Zeit.

In dieser Zeit schrieb ihr Vater ihr einen Brief, in dem zusammengefasst in etwa dies stand:

Eigentlich ist es schade. Alles, was ich je gemacht habe, ist aus einer Lust an der Sache entstanden.“

Für Caroline hingegen war die Arbeit in der Firma seit jeher mehr ein Kampf und weniger eine Leidenschaft. Und so fragte sie sich zum ersten mal wie es wohl wäre, das Unternehmen einfach loszulassen. Später sollte es genau so kommen. Sie gab das Unternehmen ab und verließ es. Und sie sagt: „Für mich war es eine riesige Erleichterung und eine Befreiung.“

Learning

  • Ihr Vater hatte Recht: man sollte immer eine gewisse Freude an dem haben, was man tut.
  • Man sollte trotz Niederlagen immer an sich glauben.

Übrigens

Heute ist Caroline Schwarz Trainerin für Kommunikation und Gastdozentin an der HNU.

Fotografin: Nadja Wollinsky
Copyright: Stadtarchiv Ulm

Kategorien
High-Tech Stories

HKK Bionics

Das High-Tech Startup aus Ulm...

machte zuletzt 2019 von sich reden, als es den Cyberone Hightech Award gewann. Seitdem ist viel passiert. Vor kurzem hat  die erste Entwicklung von HKK Bionics die Marktreife erreicht: die „exomotion hand one“. Grund genug, uns mit einem der Gründer, Dominik Hepp, mal über sein Startup zu unterhalten.

Das Unternehmen hat eine Handorthese entwickelt, die Menschen mit gelähmten Händen einen Teil ihrer Motorik zurückgibt und ihnen so hilft, wieder ganz alltägliche Dinge zu tun: etwas zu heben, zum Beispiel.
Hier übrigens der Unterschied zwischen einer Prothese und einer Orthese für alle, die den Begriff vorher noch nie gehört haben (mich eingeschlossen):
Eine Prothese ersetzt den Körperteil, eine Orthese wird auf den noch vorhandenen Körperteil aufgesetzt und unterstützt ihn.

Der Patient schlüpft mit seiner Hand also in die exomotion hinein, welche dann für die Handbewegung sorgt. Was sich einfach anhört ist bei näherer Betrachtung ein komplexes Zusammenspiel technischer Komponenten, z.B. des Antriebs und der künstlichen Sehnen.
Möglich macht dies ein Sensor, der auf der Haut des Patienten angebracht ist und die empfangenen Signale des darunter liegenden Muskels in Bewegungen umsetzt. Angetrieben wird der Handschuh von einer Batterie, die der Nutzer bei sich führt.

Die exomotion hat also ein großes Potential, das Leben vieler Menschen mit Einschränkung zu erleichtern. Oder wie HKK Bionics es ausdrückt: „Bewegung ist Freiheit“.

Aktuell (August 2020) führt das Startup Gespräche mit potentiellen Kunden. Dazu gehören hauptsächlich Sanitätshäuser, die direkt mit den Patienten arbeiten. Diese bestellen dann den Bausatz und passen den Handschuh individuell an den gelähmten Arm an.
Die aktuelle Herausforderung ist, so Geschäftsführer Dominik Hepp, die Krankenkassen von der Idee zu überzeugen. Diese werden letztendlich ja für die Kosten aufkommen.

Dominik, wie kommt man dazu eine bionische Orthese zu entwickeln?

„Ich hatte vor vielen Jahren einen schweren Unfall, der mich für ein paar Monate an den Rollstuhl fesselte. Da habe ich selbst erfahren dürfen wie es ist, sich nicht mehr wie gewohnt bewegen zu können. Das war jetzt nicht die Grundlage meiner Entscheidung, aber es hat definitiv eine Rolle gespielt.“

Erzähl mir ein wenig über eure Gründung

Wir haben uns ganz klassisch an der Technischen Hochschule Ulm kennengelernt und von dort aus gegründet. In den ersten Monaten und in der Entwicklungsphase hat das EXIST Gründerstipendium für unser täglich Brot gesorgt. Wir konnten dann Büros in den Räumen der TFU im Science Park 2 mieten, wo wir bis Ende 2019 gearbeitet haben. Seit Anfang 2020 sind wir in den neuen Büros in der Wilhelmsburg.

Wie war der Lockdown für euch?

Wir arbeiten mit Risikopatienten und hatten in der Zeit natürlich keine Chance in bestimmten Themen weiterzukommen. Wir haben deshalb unsere Zeit genutzt um unsere digitale Infrastruktur besser aufzustellen und z.B. Microsoft Teams noch intensiver zu nutzen.
Die Folgen von Corona sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich belastet uns die Pandemie als Unternehmen. Auf der anderen Seite ist die Bereitschaft deutlich gestiegen, digitale Tools einzusetzen. Ich muss nicht mehr 1000 km durch Deutschland fahren, um unser Produkt kurz vorzustellen.

Wo kann man die exomotion in Ulm bekommen?

Das Sanitätshaus Häussler arbeitet mit uns zusammen.

Wie funktioniert die Produktion eines solchen High-Tech Produkts?

Die Einzelkomponenten kommen zum Großteil von Produzenten in Süddeutschland und werden in unserer Montage vor Ort zusammengebaut. Uns ist die hohe Qualität und Langlebigkeit des Handschuhs besonders wichtig, deshalb bestellen wir die einzelnen Elemente in Deutschland. Ich lege auch Wert darauf die Lieferanten zu kennen und die Möglichkeit zu haben, mal hinzufahren. Fast alle unsere Lieferanten kennen mich persönlich. Und damit sind wir Made in Germany.

Zum Abschluss: dein Lieblingsrestaurant in Ulm?

Am liebsten Essen gehe ich in Ulm in der Creperie Kornhäusle. Regionale Zutaten und Bio – einfach lecker.

Kategorien
Food Stories

Foodtruck Flotte Lotte

Für Fans der hiesigen Streetfood Szene ist sie schon lange kein Geheimtipp mehr: die Flotte Lotte. Aber auch allen anderen wollen wir diese Quelle der Glückseligkeit nicht vorenthalten. Seit 2018 macht der Foodtruck mit seinen unkonventionellen Gerichten Ulm und Neu-Ulm unsicher.  Die immer länger werdenden Schlangen vor dem Foodtruck haben wir zum Anlass genommen, uns mal mit Timo und Lotte über ihren Erfolg zu unterhalten. Und natürlich über Esskultur!

Menschen, die in den Streetfood Markt gründen haben meistens ein paar spannende Geschichten zu erzählen. Ein bisschen verrückt muss man ja schon sein, wenn man sein bequemes Büro gegen eine 5,5 Tonnen schwere Küche auf Rädern eintauscht.

Timo ist gelernter Koch und war viele Jahre im Lebensmittelhandel tätig,  Lotte war Chefsekretärin in einem Nahverkehrsunternehmen. Fachlich haben wir also ein super Gründerteam hinter dem Tresen. Aber auch Leidenschaft spielt für die beiden eine Rolle.

Wir wollen Omas Küche modern denken und kochen.“

Dabei spielt Saisonalität natürlich eine große Rolle. Das Angebot wechselt wöchentlich durch und orientiert sich dabei auch an der Saison. Im Sommer gibt es frische Salate, im Winter Eintöpfe und zwischendrin alles von Cheessteak bis Schaschlikpfanne. Dazu kommt eine Standardkarte, die man immer kriegt. Aber auch die ist so abwechslungsreich, dass es nie langweilig wird.
Burger sucht man bei der Flotten Lotte übrigens vergeblich. Dafür stehen einige Gerichte auf der Speisekarte, die man so schnell kein zweites mal findet. Hier ein Auszug:

Schwabendöner
Gezupfter Schweinebraten mit frischem Salat im Wasserwecken und Dip

Schwäbischer Hotdog
Eine Bratwurst im Baguette, die für sich schon irre gut schmeckt, garniert mit ordentlich Käsespätzle.

Gebratener Fetakäse mit karamellisierten Nüssen und Feigen

Regt die Fantasie an, hab ich Recht?

Ein Besuch bei Oma hat immer etwas Heimeliges. Das liegt natürlich auch an der Herzlichkeit, die Omas ihren Enkeln oft entgegenbringen. Diese Herzlichkeit merkt man dem Foodtruck auf jeden Fall an. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei die Lotte, die mit ihrer witzigen, offenen Art gute Stimmung versprüht und gerne mit den Gästen plaudert. Nach ihr ist der Foodtruck auch benannt. „Flott“ trifft es dabei so ziemlich ins Schwarze!

Timo, welches eurer Gerichte sollte man auf jeden Fall mal probiert haben?

„Den Schwabendöner, der ist ziemlich beliebt. Ansonsten ist das Tagesessen immer zu empfehlen, weil wir uns da ein bisschen austoben können.“

Wer noch nicht das Glück hatte bei Lotte und Timo einzukehren sollte dies unbedingt mal machen. Sie sind unter der Woche mittags an unterschiedlichen Standorten in Ulm und Neu-Ulm unterwegs. Am Wochenende kann man sie auch mal auf Events treffen, z.B. bei Stürmt die Burg. Schaut am besten einfach mal auf der Seite von Flotte Lotte vorbei und dann gönnt euch!

Good to know

Tierwohl und Nachhaltigkeit liegen uns als Tier- und Naturfreunde sehr am Herzen, deswegen kennen wir unsere Obst- und Gemüsehändler sowie unseren Metzger, und bauen auch auf recycelbare und kompostierbare Verpackungen.