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SAX Power – neuartige Batterietechnik aus Ulm

Hast du schonmal von SAX Power aus Ulm gehört?
Nein?
Dann geht es dir wie vermutlich 99% der Ulmer und Neu-Ulmer. Ich finde: sehr zu Unrecht! Still und heimlich entwickelt SAX Power aktuell nämlich einen neuen Solarspeicher, der es in sich hat.
Die Brandgefahr soll deutlich reduziert sein, die Effizienz höher und außerdem soll er 50% länger haltbar sein. Die Batterie kann deutlich einfacher, per Plug-and-Play, an die Solaranlage angeschlossen werden.
Freunde der Solarenergie staunen nicht schlecht, wenn sie hören, was Lei Shen, Gründerin und Geschäftsführerin, und ihr Team hier auf die Beine gestellt haben.
Seit 2019 entwickelt das Startup mit Hochdruck an seinem neuen Produkt und hat dabei schon manche Höhen und Tiefen erlebt. Doch Schweiß und Überstunden haben sich gelohnt: im Frühjahr 2021 erhält SAX Power den “German Innovation Award”. Auch ein VC ist nun mit an Bord.
Jetzt, wo die ersten Speicher ausgeliefert sind und laufen möchten wir mit Robert Sauter von SAX Power über das Unternehmen sprechen.

Robert, als ich Lei Shen 2019 über ihren neuartigen Solarspeicher reden hörte, war ich erstaunt. Heute haltet ihr das fertige Produkt in euren Händen. Wie fühlt sich das an?

Anfangs waren wir uns natürlich nicht sicher, ob unsere Idee funktioniert. Das muss man dann einfach ausprobieren. Als uns 2019 der technische Durchbruch gelang, wussten wir, dass wir eine Technologie mit extrem viel Potential in den Händen halten. Unser erstes Produkt, den SAX Homespeicher, bei Kunden in Betrieb zu sehen ist großartig und wir freuen uns auf die weitere Reise.

Wie geht es jetzt weiter für SAX Power?

Wir starten in den Verkauf unseres Solarspeichers. In diesem Jahr werden wir 200 Stück verkaufen. Unsere aktuellen Büros sind für die Fertigung und unser wachsendes Team viel zu klein, deswegen ziehen wir bereits im Juli auf unser neues Grundstück in Erbach in einen Bürocontainer. Auf diesem Grundstück steht dann, wenn alles gut läuft, Anfang nächsten Jahres unsere neue Produktionshalle. Dann sind wir startklar für die Massenfertigung!

Welche Zielgruppe sprecht ihr mit eurem Speicher an?

Unsere Plug-in Lösung ermöglicht auch bei alten Anlagen eine einfache und schnelle Installation, ohne dass man eine Wand öffnen muss, um Leitungen zu verlegen. Unser Speicher ist daher besonders für Nachrüster hervorragend geeignet. Aber auch Neuinstallationen profitieren von unserer Technik: der batterieseitige Wechselrichter entfällt komplett, es wird kein teurer Hybridwechselrichter benötigt. Unsere Zielgruppe sind also Nachrüster sowie Neuinstallateure, denn auch von der Sicherheit unserer Speicher profitieren alle!

Wenn Sie eine Sache auswählen müssen: was ist die größte Innovation Ihres Produkts?

Das leistungselektronische Steuersystem, das die Überwachung und Steuerung der Batteriezellen ermöglicht.

Regionalität ist für Startups ja immer ein großes Thema. Wie wurde und wird Ihre Idee in Ulm und Neu-Ulm angenommen?

Wir haben eine enorme Unterstützung aus der Region erhalten, wofür wir sehr dankbar sind. Ohne die Unterstützung der Stadt Ulm, von Liebherr und dem Gründerzentrum TFU wären wir nicht so schnell so weit gekommen. Es hat uns positiv überrascht, wie offen diese neue Technik (hier im doch eher konservativen Schwabenländle) angenommen wird. Viele Leute waren sofort bereit, die ersten Testgeräte bei sich daheim in Betrieb zu nehmen!

Wohin soll es in den nächsten Jahren mit SAX Power gehen?

Wir wollen in die E-Mobilität. Die Vorteile unserer Technik kommen besonders in diesem Bereich voll zur Geltung. Unser Ziel ist es, elektrisch betriebenen Fahrzeugen, Booten und Maschinen zum Durchbruch auf dem Massenmarkt zu verhelfen und so eine emissionsfreie Mobilität zu fördern.

Und zum Abschluss: wo bestellst du im Lockdown in Ulm oder Neu-Ulm am liebsten Essen to-go?

Hier im Donautal gibt es fußläufig nicht viele Möglichkeiten – um die Ecke ist eine Dönerbude. Die ist zwar ganz gut, aber ich bin froh, wenn wir in Erbach sind und die Speisekarte wieder etwas abwechslungsreicher wird!

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Rocket Ulm im Interview mit dem Leiter Quantencomputing beim DLR

Das DLR (Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt) plant, in naher Zukunft einen Quantencomputer mit 100 Qubits zu entwickeln. Dazu soll die Forschung und Entwicklung nun staatlich noch mehr gefördert werden. Unter anderem auch in Ulm.
Wir haben mit Robert Axmann, Leiter Quantencomputing, gesprochen und weitere spannende Infos zu den Plänen erhalten.

Die Nachricht darüber, dass das DLR plant die Forschung an Quantencomputern zu fördern hat für viel Aufregung und Euphorie gesorgt. Unter anderem soll Ulm dabei ja eine wichtige Rolle zukommen. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Ulm wird eines der Innovationszentren für unsere Initiative zum Bau von Quantencomputern. Hier entwickeln Partner aus Forschung, Industrie und eben Startups gemeinsam mit dem DLR die notwendigen Technologien für die zukünftige Quantencomputergenerationen.
Einer der Aspekte ist dabei die räumliche Nähe der beteiligten Partner an einem Standort. Dies ermöglicht uns die Kooperation und Problemlösung ohne große Umwege. Gerade auch neue Unternehmen profitieren von einem Ökosystem. Neue Talente können einfacher angeworben werden und eine direkte Vernetzung mit weiteren Partnern gelingt beser. Denn neben den technologischen Herausforderungen, welche zweifelsohne beim Quantencomputing noch vorhanden sind, ist der Faktor „Talent“ – also die Gewinnung der notwendigen Fachkräfte – einer der zentralen Aspekte für den Erfolg.

Wo genau wird sich das DLR in Ulm denn ansiedeln?

In Ulm gibt es bereits das “DLR Institut für Quantentechnologien” unter Führung von Herr Prof. Dr. Wolfgang Schleich. Daneben befindet sich ein Institut für Künstliche Intelligenz unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Frank Köster im Aufbau. Diese beiden DLR-Institute werden zukünftig einen gemeinsamen Standort auf dem Eselsberg beziehen. In diesem Gebäudekomplex  werden zukünftig auch die Quantencomputing Initiative des DLR und die damit verbundenen Forschungspartner aktiv sein. Wir stellen dort Bürofläche, aber auch Laborflächen zur Verfügung.

Unter anderem sollen ja auch Startups an der Entwicklung mitwirken. Welche Expertise sollte ein Startup mitbringen, um für eine Zusammenarbeit in Frage zu kommen? Und wo können sich interessierte Unternehmen diesbezüglich vorstellen?

Bei der Frage wo man sich vorstellen kann, möchte ich auf die laufende Marktvorinformation verweisen. Diese ist HIER zu finden. Bei weitergehenden Fragen zur Marktinformation kann man uns natürlich auch direkt ansprechen.
Die Expertisen werden in allen Bereichen gesucht, welche für das Quantencomputing relevant sind. Das sind neben Hardware- und Softwareentwicklung auch Themen wie Zulieferindustrie oder konkrete wirtschaftlich relevante Anwendungen.
Startups sollten eine klare Vorstellung von der Zielsetzung ihrer Produkte am Markt mitbringen, damit eine Beteiligung an den Ausschreibungen für Beauftragungen möglich ist. Das ganze Programm fußt auf dem Konjunkturpaket der Bundesregierung und hat eine Laufzeit von 4 Jahren. Der Zeitraum ist relativ kurz, wir werden daher die Firmen sehr fokussiert einbinden.

 

Welche Rolle spielen denn Startups in der aktuellen Entwicklung bereits?

In der aktuellen Entwicklung spielen Startups, aber auch schon einige eher kleinere Firmen, eine wichtige Rolle. Sie treiben die Ideen für neue Quantencomputeransätze voran, entwickeln die notwendige Software und entwickeln die ersten Anwendungen. Viele bauen oder planen den Bau kompletter Quantencomputersysteme, was sie von etablierten Playern in der Industrie unterscheidet.  Diese geben sich häufig eher zurückhaltend und warten auf den anstehenden Durchbruch der Quantencomputer, um diese dann in den eigenen Geschäftsprozessen einzusetzen.
Wir sind aktuell schon mit dutzenden Firmen im Gespräch, welche ihre eigenen Kompetenzen einbringen möchten; ein sehr spannender Prozess! Die Namen stehen aber noch nicht fest, da wir uns aktuell noch in der ersten Phase des Projektes befinden, wo Konzepte eingereicht werden und die Roadmap entwickelt wird.

IBM will noch in 2021 einen quantenbasierten Prozessor mit 127 Qubits vorstellen. Der in Deutschland entwickelte Quantencomputer hingegen soll erst in einigen Jahren die 100 Qubits erreichen. Ist der Vorsprung, den die Tech-Giganten bereits haben, überhaupt noch aufzuholen?

Wir haben in Europa eine sehr gute akademische und industrielle Basis um diesen Vorsprung aufzuholen. Es gibt nicht den einen besten Weg zum Bau von Quantencomputern, sondern viele verschiedene Ansätze. Da sind Fragen der Temperatur und der Integration einer Zahl zunehmender Qubits zu lösen. Die einzelnen Aspekte sind bekannt, nur die Integration in ein System mit tausenden oder Millionen von Qubits sind noch große Herausforderungen. Man kann also nicht pauschal auf die Anzahl der Qubits schauen, sondern muss die darunter liegende Architektur mitbetrachten. Gibt es sinnvolle Anwendungen welche bereits darauf laufen? Habe ich die Fehlerkorrektur unter Kontrolle? Kann ich die Zahl der Qubits ohne neue Fertigungsverfahren einfach verdoppeln?
Diese Fragen werden aber in den nächsten Jahren angegangen und gelöst.

Vielen Dank, Herr Axmann!

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HKK Bionics

Das High-Tech Startup aus Ulm...

machte zuletzt 2019 von sich reden, als es den Cyberone Hightech Award gewann. Seitdem ist viel passiert. Vor kurzem hat  die erste Entwicklung von HKK Bionics die Marktreife erreicht: die „exomotion hand one“. Grund genug, uns mit einem der Gründer, Dominik Hepp, mal über sein Startup zu unterhalten.

Das Unternehmen hat eine Handorthese entwickelt, die Menschen mit gelähmten Händen einen Teil ihrer Motorik zurückgibt und ihnen so hilft, wieder ganz alltägliche Dinge zu tun: etwas zu heben, zum Beispiel.
Hier übrigens der Unterschied zwischen einer Prothese und einer Orthese für alle, die den Begriff vorher noch nie gehört haben (mich eingeschlossen):
Eine Prothese ersetzt den Körperteil, eine Orthese wird auf den noch vorhandenen Körperteil aufgesetzt und unterstützt ihn.

Der Patient schlüpft mit seiner Hand also in die exomotion hinein, welche dann für die Handbewegung sorgt. Was sich einfach anhört ist bei näherer Betrachtung ein komplexes Zusammenspiel technischer Komponenten, z.B. des Antriebs und der künstlichen Sehnen.
Möglich macht dies ein Sensor, der auf der Haut des Patienten angebracht ist und die empfangenen Signale des darunter liegenden Muskels in Bewegungen umsetzt. Angetrieben wird der Handschuh von einer Batterie, die der Nutzer bei sich führt.

Die exomotion hat also ein großes Potential, das Leben vieler Menschen mit Einschränkung zu erleichtern. Oder wie HKK Bionics es ausdrückt: „Bewegung ist Freiheit“.

Aktuell (August 2020) führt das Startup Gespräche mit potentiellen Kunden. Dazu gehören hauptsächlich Sanitätshäuser, die direkt mit den Patienten arbeiten. Diese bestellen dann den Bausatz und passen den Handschuh individuell an den gelähmten Arm an.
Die aktuelle Herausforderung ist, so Geschäftsführer Dominik Hepp, die Krankenkassen von der Idee zu überzeugen. Diese werden letztendlich ja für die Kosten aufkommen.

Dominik, wie kommt man dazu eine bionische Orthese zu entwickeln?

„Ich hatte vor vielen Jahren einen schweren Unfall, der mich für ein paar Monate an den Rollstuhl fesselte. Da habe ich selbst erfahren dürfen wie es ist, sich nicht mehr wie gewohnt bewegen zu können. Das war jetzt nicht die Grundlage meiner Entscheidung, aber es hat definitiv eine Rolle gespielt.“

Erzähl mir ein wenig über eure Gründung

Wir haben uns ganz klassisch an der Technischen Hochschule Ulm kennengelernt und von dort aus gegründet. In den ersten Monaten und in der Entwicklungsphase hat das EXIST Gründerstipendium für unser täglich Brot gesorgt. Wir konnten dann Büros in den Räumen der TFU im Science Park 2 mieten, wo wir bis Ende 2019 gearbeitet haben. Seit Anfang 2020 sind wir in den neuen Büros in der Wilhelmsburg.

Wie war der Lockdown für euch?

Wir arbeiten mit Risikopatienten und hatten in der Zeit natürlich keine Chance in bestimmten Themen weiterzukommen. Wir haben deshalb unsere Zeit genutzt um unsere digitale Infrastruktur besser aufzustellen und z.B. Microsoft Teams noch intensiver zu nutzen.
Die Folgen von Corona sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich belastet uns die Pandemie als Unternehmen. Auf der anderen Seite ist die Bereitschaft deutlich gestiegen, digitale Tools einzusetzen. Ich muss nicht mehr 1000 km durch Deutschland fahren, um unser Produkt kurz vorzustellen.

Wo kann man die exomotion in Ulm bekommen?

Das Sanitätshaus Häussler arbeitet mit uns zusammen.

Wie funktioniert die Produktion eines solchen High-Tech Produkts?

Die Einzelkomponenten kommen zum Großteil von Produzenten in Süddeutschland und werden in unserer Montage vor Ort zusammengebaut. Uns ist die hohe Qualität und Langlebigkeit des Handschuhs besonders wichtig, deshalb bestellen wir die einzelnen Elemente in Deutschland. Ich lege auch Wert darauf die Lieferanten zu kennen und die Möglichkeit zu haben, mal hinzufahren. Fast alle unsere Lieferanten kennen mich persönlich. Und damit sind wir Made in Germany.

Zum Abschluss: dein Lieblingsrestaurant in Ulm?

Am liebsten Essen gehe ich in Ulm in der Creperie Kornhäusle. Regionale Zutaten und Bio – einfach lecker.