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Infinite Running

// The Endless Upgrade Shoe

Portrait:
Infinite Running entwickelt einen nachhaltigen, fair produzierten Laufschuh. Dabei werden stark beanspruchte Teile einzeln ausgewechselt, sodass der Schuh als Ganzes erhalten bleibt.

Status 2020: kurz vor Markteinführung

“Im Fernseher habe ich gesehen, wie sie aus einem verendeten Wal einen ganzen Schuh herausgeholt haben. Das hat mich nachdenklich gemacht.”

So beschrieb es Nico Russ einmal in einem Gespräch. Schuhe sind, wie so vieles in unserer Gesellschaft, ein Wegwerfprodukt. Das liegt natürlich in der Natur von Schuhen. Ist doch ganz selbstverständlich, oder?
Nico gehört zu einer Generation von Gründern, die scheinbar Selbstverständliches in Frage stellen. In diesem Fall folgten den Gedanken auch Taten. Er hat sich gefragt, ob ein Schuh wirklich im Müll landen muss, wenn die Sohle durchgelaufen ist.

Das Ergebnis ist der Infinite One: ein Laufschuh mit erneuerbarer Sohle. Diese besteht nämlich aus einzelnen Elementen, die einzeln ausgetauscht werden können. So muss noch nicht einmal die gesamte Sole getauscht werden, sondern nur jene Elemente, die abgenutzt sind.

Doch wie entwickelt man eigentlich einen Schuh?
Man kann sich vorstellen, dass Nadel und Faden dafür nicht ausreichen. Gemeinsam mit seinem Seed Investor holte Nico Russ Experten an Bord, die ihm halfen den Schuh zu entwickeln. Auch für Marketing und Vertrieb holte er sich Verstärkung. Weiterentwickelt wurde der Schuh an seinen eigenen Füßen. Nico geht selbst regelmäßig beim Halbmarathon an den Start. So hat er seine Prototypen selbst auf Herz und Nieren testen können. Einige hat er davon schon durchgelaufen, sagt er. In der Höhle der Löwen würden sie ihn einen „echten Gründer“ nennen. Er hat die nötige Begeisterung, kennt die Materie gut und lebt seine Idee.

Eine Kostprobe seines Elevator-Pitches in sauberstem Schwäbisch könnt ihr euch direkt hier ansehen. Ich finde: läuft bei ihm!

Nico, du hast gegründet, nachdem du die Bundeswehr verlassen hast. Ich habe selbst auch gedient und treffe immer wieder Ex-Soldaten in der Startup-Szene. Was hat dich die Zeit beim Militär gelehrt, das dir als Gründer hilft?

Ich glaube die grundlegenden Schlüsselqualifikationen Disziplin, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Pünktlichkeit und Ehrgeiz profitieren sehr von meiner Bundeswehrzeit. Sie waren vorher natürlich auch vorhanden aber wurden durch die Erfahrungen dort noch ausgeprägter. Sicher wird es auch auf die Truppengattungen ankommen, ob es in den Stammeinheiten so bleibt, aber eine Grundausbildung halte ich tatsächlich entgegen vieler Meinungen meiner Bekannten für eine der besten Dinge, die junge Leute absolvieren können. Wer im Nachgang dann reflektiert erkennt, dass dort mehr dahinter steht als nur stumpfer Dienst. Es geht viel darum, diese Kernkompetenzen aufzubauen und zu kultivieren. Dies wird dann gerade für Gründer irgendwann überlebenswichtig. 

Dein innovativer Laufschuh hat in den letzten Monaten ja ganz schön Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auf der StartupBW 2019 hast du den Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Fachmagazine berichten über dich.
Wie wirkt sich die mediale Aufmerksamkeit auf dein Geschäft aus?

Auf der einen Seite ist es natürlich toll immer wieder ein so großartiges Feedback zu erhalten. Auch das Interesse an meinem “Warum” freut mich. Auf der anderen Seite darf man bei all dem nicht den Fokus verlieren. Der Fokus muss natürlich nach wie vor darauf gerichtet sein in Zukunft Geld damit zu verdienen. In meinem Fall musste ich ja sogar noch die Entwicklung, die bis dato aus Prototypen bestand, zu einer Serienreife weitertreiben.

Man könnte meinen, das Thema Running wird ganz gut von 2-3 großen Marken bedient. Warum bist du davon überzeugt, dass dein Laufschuh nachgefragt ist?

Ohne ein großer Wirtschaftsökonom zu sein glaube ich zu wissen, dass gerade diese großen Marken, die wir im Kopf haben, eklatante Fehler machen, die sich anhand der gesteigerten Gewinne jedes Jahr ablesen lassen. Lass’ mich das erklären:
Diese Gewinnsteigerungen sind irgendwann nicht mehr mit Verkäufen zu erreichen, sondern vor allem durch Einsparungen in der Produktion. Wir reden da von niedrigeren Lohnkosten, Kompromissen bei der Qualität oder eben Erhöhungen der Produktpreise. Dies führt vor allem zu Unmut bei den Endverbrauchern weil in gleichem Ausmaß kein Mehrwert mehr gegeben werden kann. Meine Chance ist ein Produkt, das zu Ende gedacht wurde: vom Transportweg bis hin zum Nutzen des Endkunden. Den Geist der Zeit denke ich sehr gut zu treffen im Bereich Nachhaltigkeit, Individualisierung und Fairness. Unser Schuh ist “Made in Germany”.

Was war für dich die größte Herausforderung in den letzten Monaten?

Zwischen all den vielen Kleinigkeiten nicht den Überblick zu verlieren, das finde ich sehr schwer. Irgendwann kommt man an einen Punkt, wo es auf Feinheiten ankommt. Diese Stellschrauben richtig zu bedienen ist nicht einfach. Da geschehen natürlich nach wie vor Fehler. Corona traf Infinite Running ebenso zu einem gewissen Grad und auch das Treffen mit Händlern ist sehr erschwert. Wir sehen aber, dass grade viel Outdoor-Sport getrieben wird. Das ist eine gute Entwicklung für uns.
Ich hoffe natürlich, dass sich die Krise bald wieder legt und wir das alles gemeinsam durchgestanden haben.
Wenn ich einen Ausblick wagen darf: für mich könnte die Anbindung an den Markt nächstes Jahr dann etwas intensiver ausfallen, da die wichtigen großen Messen dieses Jahr nicht mehr stattfinden werden.

Deine Vision für Infinite Running

Natürlich ist das Ziel bald profitabel zu werden. Mittelfristig wollen wir Innovation vorantreiben, z.B. durch den Einsatz moderner Technologie aus dem Bereich Connected-Footwear. Damit kann man Bewegungsdaten analysieren und Heilungsprozesse beobachten. Das sind Dinge, an denen wir bereits jetzt auch schon arbeiten.

Dein Drink

Ich bin Leistungssportler. Aber auch hinsichtlich Ökobilanz und Preis ist mein Favorit: Leitungswasser.

Danke, Nico!