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Mango Solar

Über eine Millarde Menschen haben keinen Zugang zu Elektrizität. Die meisten von Ihnen leben in ländlichen Gegenden in Afrika. Mango Solar aus Ulm macht sich auf, diesem Problem mit Clean-Tech zu begegnen. Wir fanden das Projekt so spannend, dass wir Geschäftsführer Danny Friedrich zum Interview eingeladen haben.

Danny, du sagst, dass dir die Idee zu Mango Solar bei zwei Bier am Flughafen von Bangkok gekommen ist. Ich behaupte mal, gute Ideen hat jeder irgendwann. Aber nicht jeder geht danach los und gründet ein Unternehmen. Was treibt dich an?

Wenn ich so drüber nachdenke, hat für mich alles in Indonesien bei Saunatemperaturen auf einem Dachboden begonnen. Mein Kollege Manuel und ich haben dort 2010 eine kleine Solaranlage auf dem Dach einer Schule installiert. Ich war dabei für die Verkabelung zuständig und habe mehrere Stunden schwitzend auf dem Dachboden verbracht und mich relativ frustriert gefragt: „Was mache ich hier eigentlich?“.
Die Frage konnte ich mir wenige Augenblicke später beantworten, als ich die Reaktion der Schüler und Lehrer vor Ort miterleben durfte, als wir das Licht eingeschaltet haben. Etwas das für uns hier in Europa so selbstverständlich ist, bereitet Menschen in anderen Regionen der Welt so viel Freude, die ich mir bis dato nicht vorstellen konnte. Diese Erfahrung war für mich unbezahlbar und seit diesem Zeitpunkt dachte ich mir: Wow, ich kann mit den Dingen, die ich gelernt habe, einen sozialen Impact erzielen, welcher sich gleichzeitig positiv auf unsere Umwelt auswirkt. Zusätzlich kann ich damit auch noch meinen Lebensunterhalt finanzieren.
Das ist für mich eine Win-Win-Win Situation und vermutlich der Ursprung meines Antriebs. Hinzu kommt, dass ich das Riesenglück habe, mit unserem Team und vielen anderen Menschen zusammen zu arbeiten, die ähnliche Beweggründe haben. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, irgendwas anderes zu machen oder in einem anderen Umfeld zu arbeiten.

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag von deinem Mitgründer Manuel in Kenia aus?

Ein klassischer Arbeitstag von Manuel in Kenia sieht eigentlich nicht viel anders aus als der vom restlichen Team in Deutschland, da er meistens auch im Home Office ist. Vor der Krise ging er einmal pro Woche in einen Co-Working Space in Nairobi zum Netzwerken mit anderen lokalen und internationalen Entrepreneurs. Ein großer und wichtiger Teil seiner Aufgaben ist es auch, den Kontakt zu lokalen Partnern zu halten und das Netzwerk weiter auszubauen. Ersteres durch regelmäßige Treffen zum Mittagessen, einem Kaffee oder auch mal auf ein Bier. Zweites durch die Teilnahme an lokalen und internationalen Veranstaltungen, wie verschiedene Messen und Konferenzen.

Besonders spannend wird es dann, wenn es darum geht, Feldstudien oder Tests in ländlichen Gegenden durchzuführen, um das Feedback von Endkunden einzuholen, Thesen zu überprüfen oder allgemein neue Erkenntnisse über den Markt zu erlangen. Diese finden in der Regel mit lokalen Partnern statt. Zum einen, um Zugang zu ländlichen Gemeinden zu bekommen, da man dort als “Muzungu” (Swahili für “Weiße”) nicht einfach so herein spazieren kann. Und zum anderen, da es in ländlichen Gebieten leichter ist und mehr Vertrauen schafft, wenn man sich mit den Menschen in der lokalen Sprache unterhalten kann (davon gibt es in Kenia an die 70 verschiedene).

Für eine Feldstudie findet die Anreise meistens schon am Vortag statt. Je nachdem, wo diese stattfindet, entweder mit dem öffentlichen Langstreckenbus oder mit dem Mietwagen. Früh morgens trifft man sich dann mit dem lokalen Partner zum Frühstück, um alles zu besprechen und dann geht es gestärkt für den Tag auf in entlegene Dörfer. Dort beginnt die Suche nach geeigneten Interviewkandidaten. Oft werden diese einfach auf der Straße angesprochen oder man fragt sie vom Rand ihres Grundstücks aus, ob sie bereit zu einem Interview wären.
Die meisten sind sehr freudig und bereitwillig – es werden meist schnell mehrere Plastikstühle oder Sonstiges zum Sitzen für das Interview herbeigeschafft. Manchmal wird man auch mit Tee und Süßkartoffeln oder Arrow Roots als Snacks bedient. So geht es dann von Haus zu Haus und von Dorf zu Dorf, bis der Abend hereinbricht und es Zeit wird, wieder ins Hotel zurückzukehren.
Bei einem gemeinsamen Abendessen und einem Bier  lässt man den Tag und die Erkenntnisse dann Revue passieren. Oft wird dann auch gleich der nächste Tag geplant. Manchmal reicht ein Tag für eine Studie, aber in der Regel sind es mehrere, manchmal in der gleichen Gegend oder es geht am nächsten Tag weiter in ein anderes Gebiet.

Ihr stellt eure Produkte lokal her. Was bedeutet das genau?

Unser Ziel ist es, möglichst viel Wertschöpfung vor Ort zu generieren. Das bedeutet, dass wir so viele Komponenten wie möglich vor Ort beziehen und das Produkt auch vor Ort in Nairobi assemblieren.
Einen Teil der Komponenten müssen wir importieren, da nicht alles lokal verfügbar ist. Eine kürzliche Erhöhung der Import-Zölle und die globale Krise stellen uns derzeit vor neue Herausforderungen, weshalb wir aktuell eine agile Strategie-Anpassung machen und zu einem Software-Unternehmen „mutieren“. Mehr dazu verraten wir in den nächsten Wochen, wenn auch unsere neue Website online geht. Eine lokale Wertschöpfung soll dennoch nach wie vor stattfinden, und zwar indem wir einen Teil des Software-Entwicklungsteams in Kenia einstellen.

Was ist aktuell eure größte Herausforderung und wie geht ihr mit ihr um?

Vor ein paar Wochen hätte ich noch gesagt: Finanzierung. Es gibt ein Sprichwort, das heißt: “Vor der Finanzierung ist nach der Finanzierung.” Und das kann ich bestätigen.

Einen großen Teil der Zeit haben wir die letzten Jahre mit Anschlussfinanzierung verbracht, in Anknüpfung an unsere Gründerstipendien. Vor wenigen Wochen haben wir eine erste größere Investmentrunde abgeschlossen. Nun haben wir also ein wenig Luft, bis es in die nächste Runde geht, und können uns auf Softwareentwicklung, Marketing und Vertrieb konzentrieren. Unsere derzeit größte Herausforderung ist vermutlich ein typisches Startup Problem: Limitierte Ressourcen. Wir haben so viele Ideen, müssen allerdings klar priorisieren und können (leider) nicht alles von heute auf morgen umsetzen.

Was ist deine Vision für Mango Solar?

Unsere Vision könnte man in zwei Worten beschreiben: „Grünes Afrika“.
“Grün” meint hier verschiedene Facetten – es bedeutet für uns einen größtmöglichen Impact zu erzielen, welcher an die 17 Sustainable Development Goals der UN angelehnt ist. Dabei fokussieren wir uns vor allem auf SDG7, “Bezahlbare und saubere Energie” (https://sdgs.un.org/goals).
Bis 2030 wollen wir insgesamt 100 Millionen Menschen erreichen, deren Lebensweisen positiv beeinflussen und einen skalierbaren Beitrag für unseren Planeten leisten.

Und zuletzt: wo trinkst du in Ulm oder Neu-Ulm deinen Feierabenddrink?

Bei schönem Wetter auf jeden Fall draußen im Biergarten, beispielsweise im ROXY, in der Stiege oder im Barfüßer.

Sonst immer mal wieder gerne auch im Gleis44 oder in der Apotheke.

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